Zwangsvorlesung bei AfD-Gründer Lucke an Uni Hamburg | feat. MrWissen2go

Zwangsvorlesung bei AfD-Gründer Lucke an Uni Hamburg | feat. MrWissen2go

AfD-Mitbegründer Bernd Lucke hält eine Vorlesung an der Uni Hamburg und die Lage im Hörsaal eskaliert. Über die Proteste der Studierenden spricht Marspet mit MrWissen2go.

Denn die erste Vorlesung Makroökonomik II an der Universität Hamburg war alles andere als gewöhnlich. Rufe wie “Hau ab!” und “Nazi-Schwein” waren zu hören, Prostierende besetzten mit Transparenten das Rednerpult. Der Grund: Bernd Lucke lehrt seit dem Wintersemester 2019 wieder an der Universität Hamburg. Für seine Zeit als Abgeordneter im Europäischen Parlament hatte er sich beurlauben lassen, nun hat er seine Lehrtätigkeit als Wirtschaftswissenschaftler wieder aufgenommen.
Die Stimmung im Hörsaal heizte sich soweit auf, bis Lucke schließlich, nachdem ihn die Protestierenden mehrfach am Reden hinderten und körperlich bedrängten, von der Polizei aus dem Gebäude begleitet wurde.

Schon vor Semesterstart erklärte der AStA, Lucke müsse mit starken Protesten rechnen. Er habe den Weg für eine menschenverachtende und rassistische Partei geebnet und gehöre somit nicht an die Universität. Lucke war 2013 maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt gewesen. Im Juli 2015 war er aus der Partei ausgetreten und begründete das mit dem inhaltlichen Kurs der Partei. Auch die zweite Vorlesung eine Woche später wurde abgebrochen: Trotz Sicherheitsvorkehrungen stürmten Vermummte mit Rufen wie “Kein Recht auf Nazipropaganda” in den Hörsaal.

Die Proteste an der Uni haben deutschlandweit Schlagzeilen gemacht und für viele die Frage aufgeworfen: Wie weit darf Protest gehen, wenn einem die Meinung des Gegenübers nicht passt? Um der Antwort auf diese Frage ein bisschen näher zu kommen fährt Marspet nach Hamburg. Dort beobachtet er, wie die dritte Wirtschaftsvorlesung von Bernd Lucke unter massivem Polizeischutz stattfindet. In den Hörsaal kommt nur, wer die Vorlesung auch wirklich besuchen muss. Auch dieses Mal gibt es Proteste vor dem Hörsaal. Marspet spricht mit Studierenden und erfährt von ihnen, dass für alle eine Grenze überschritten ist, sobald Protestierende gewalttätig werden. Zu welchen Mitteln man aber sonst greifen darf und sollte, darüber sind sich viele uneinig.

Außerdem spricht Marspet mit dem AStA-Vorsitzenden Karim Kuropka. Zwar hatte der AStA zur ersten Vorlesung eine Kundgebung mit mehreren hundert Prostierenden vor dem Hörsaal-Gebäude angemeldet, von den Aktionen im Hörsaal distanzierte sich die Studierendenvertretung aber deutlich.

Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen) ist als Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung für die Hochschulen in Hamburg zuständig. Auf Anfrage teilt uns die Pressesprecherin der Behörde Julia Offen mit, dass beim Protest die “Grenze da ist, wo physische und verbale Gewalt angewandt wird. (…) Das ist aufs Schärfste zu verurteilen.” Auf die Frage, wie die Stadt in Zukunft mit dem Widerstand seitens der Studierenden gegen die Vorlesung vor Bernd Lucke umgehen will, heißt es, dass für die kommenden Wochen (Stand: 30. Oktober 2019) eine digitale Vorlesung von Herrn Lucke angeboten werden soll. Zusätzlich soll es eine Präsenzvorlesung zum Thema Makroökonomik II mit einer anderen Lehrkraft geben. Und die “Durchführbarkeit der Präsenzlehre von Herrn Lucke wird auch weiterhin sichergestellt werden”, so Julia Offen. Die gleiche Vorlesung digital und zusätzlich mit einer anderen Lehrkraft – welches Signal geht von dieser Reaktion der Stadt Hamburg aus? Darüber spricht Marspet mit Mirko von MrWissen2Go.

Natürlich hat Marspet auch Bernd Lucke um ein Interview gebeten. Er hat sich bis zur Veröffentlichung des Films (06.11.2019) nicht zurückgemeldet.

Infos zur Bio von Bernd Lucke : Bernd Lucke ist seit 1998 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Lucke war 33 Jahre lang CDU-Mitglied, bevor er die Partei im Jahr 2012, nach eigenen Angaben aus Protest gegen die Eurorettungspolitik, verlassen hatte. 2013 war er maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt und einer ihrer ersten Bundessprecher. 2014 hatte er sich von der Universität Hamburg beurlauben lassen, um als Abgeordneter für die AfD ins Europaparlament zu wechseln. 2015 wurde er als Bundessprecher von Frauke Petry abgelöst und hatte die Partei im Streit über ihre inhaltliche Ausrichtung verlassen. Zum Wintersemester 2019/2020 hat er seine Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg wieder aufgenommen.

Team: Marspet Movsisyan, Philip Wortmann, Maik Arnold, Julia von Cube, Melissa Faust

Musik:

Maya Jane Coles – Pulse
Oliver Koletzki – Tankwa Town
Johannes Heil – Gospel Fourteen

Ihr findet uns auch hier:
Twitter: https://twitter.com/reporter
Facebook: http://facebook.com/reporter.offiziell/
Instagram: https://www.instagram.com/reporter.of…
Snapchat: https://www.snapchat.com/discover/Rep…

reporter gehört zu #funk:
YouTube: http://youtube.com/funkofficial
funk Web-App: http://go.funk.net
Facebook: https://www.facebook.com/funk/

WDR360
WDR360
Wir spüren auf, was wichtig ist. Für Euch. Wir recherchieren, weil es uns interessiert. Wir stellen Fragen, ohne Angst vor den Antworten. Unvoreingenommen. Nachvollziehbar. Für mehr Diskussion.