Wildblumenwiese im Garten: Heimische Wildpflanzen

Im Garten vor dem Haus von Karl Stetter sollte eine Wiese mit einheimischen Wildblumen entstehen, die früher an jedem Waldrand zu finden waren. Vor mehr als 16 Jahren hat Karl Stetter das Haus in München übernommen, in dem er schon seine Kindheit verbracht hat. Damals hatten seine Eltern englischen Rasen im Vorgarten angelegt, und so musste er als Bub regelmäßig den Rasen mähen. Wieder zurück überlegten der Professor für Mikrobiologie und seine Frau nicht lange: aus der Rasenfläche sollte eine Wildblumenwiese werden.

Pflanzen für die Wiese
Der alte Rasen war zwar immer gemäht worden, aber seit 1970 nicht mehr gedüngt und stark vermoost. Unter dem Moos befand sich ein eher magerer Boden – Grundvoraussetzung für eine Wiese mit einheimischen Wildblumen, die auf den stark gedüngten Fettwiesen in Oberbayern fast gänzlich verschwunden sind. Denn durch das regelmäßige Mähen samen sie kaum mehr aus.
Samen von diesen Naturpflanzen zu finden, stellte das Ehepaar vor die nächste Herausforderung. Bei seinen Wanderungen in den Bergwiesen vom Blankenstein oder der Benediktenwand, auf dem Taubenberg, und im Bayerischen Voralpenland inmitten der voralpenländischen Moränenlandschaft fand Karl Stetter viele seiner Schützlinge als Samen, die er dann zuhause kultivierte. Auch die Gesellschaft der Staudenfreunde konnte ihm mit manchen Pflanzen weiterhelfen.

Aussäen und auspflanzen
Anfang Juni brummt und summt es in der bunten Blumenwiese. Vor allem die Wildbienen sind abhängig von den einheimischen Wildblumen, die hier wachsen. Auch dazu gehört viel Wissen und noch mehr Geduld: Nicht alle Samen der Pflanzen kann man einfach austreuen, manche brauchen bestimmte Bedingungen, um zu keinem, viele werden gefressen. Pechnelke, Arnika und Fingerhut zum Beispiel brauchen für die Keimung Frost. Karl Stetter sät sie deswegen in einer Schale aus, die im Winter draußen bleibt. Im Frühjahr dann keinem sie und, wenn sie kräftig genug sind, pflanzt er sie in die Wiese aus. Dafür mäht er mit dem Handmäher eine geeignete Stelle frei, gräbt mit dem Spaten ein Loch und setzt die Pflanze ein. Damit sie gut anwächst, mischt Karl Stetter Muttererde, Rhododendronerde, Pleinfelder Sand und hauseigenen Kompost zusammen. So wird die Erdmischung leicht sauer, genauso wie es die Bergpflanze braucht.

Klappertopf gegen Gräser
Überall in der Wiese blüht gerade auch der Klappertopf. Dieser eher unscheinbare Wiesenbewohner ist nicht nur ein Wildbienenmagnet, sondern auch gut für eine Blumenwiese. Denn der Halbschmarotzer zapft mit seinen speziellen Wurzeln die Wurzelsysteme von anderen Pflanzen an. So hält er das Gras nieder und die Wildblumen können sich stattdessen entwickeln.
Wenn Anfang August die meisten Blumen abgeblüht und Samen gebildet haben, mäht Karl Stetter seine Wiese. Mehr als eine Stunde geht er hinter seinem Balkenmäher her. Danach verteilt er das Mähgut auf der Wiese. Zum einen zum Trocknen, zum anderen fallen so die Samen von den rund 50 verschiedenen Wildblumen auf den Boden. Da das Mähgut den mageren Boden zu stark düngen würde, gibt es Karl Stetter dann an andere Liebhaber von Wildblumenwiesen weiter. Denn im Heu befinden sich immer noch genug Samen…