Wie ein Song aus Recklinghausen um die Welt geht | WDR Doku

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https://youtu.be/dRpefvjsLGQ

Gefrustet und enttäuscht kam der Recklinghäuser Musiker Sebel Mitte März von seiner wegen Corona abgebrochenen Tournee nach Hause. Er stellte seinen Koffer und die Gitarre ab und setzte sich ans Klavier. Da entstand ein Lied, das inzwischen um die Welt geht. Ein Lied über die Corona-Krise als Chance für die solidarische Gemeinschaft: „Zusammenstehen“, so der Titel.

Es war ein magischer Moment, sagt Sebel heute und der Text sei nur so aus ihm herausgeflossen. Einen Corona-Song zu schreiben und damit auch noch einen Nerv zu treffen, gar einen Hit zu landen, das hätte er gar nicht vorgehabt. Inzwischen ist der Song des 39-Jährigen über zwei Millionen Mal bei YouTube angeklickt worden. Und Sebel, der bislang als Singer-Songwriter eine eher überschaubare Fangemeinde hatte, ist ein Star geworden. Aber das ist nicht alles. Sebel hat bei der Veröffentlichung seines Videos alle Musiker*innen aufgefordert, mitzumachen, damit er nicht so allein da sitze am Klavier. Seitdem bekommt er täglich neue Videos und Audios geschickt – aus Frankreich, aus den USA, von bekannten Musikern, singenden Kindern, von Amateursänger*innen, von Dudelsack-Spielern oder Flötistinnen.

Viele von ihnen hat das Lied gerührt und die meisten haben genau wie Sebel gerade nichts zu tun und sitzen zu Hause. Riccardo Doppio vom Niederrhein zum Beispiel. Er hat den Song in seine italienische Muttersprache umgetextet und Sebel hat daraus eine eigene Fassung gemacht. Die läuft mittlerweile in Italien im Radio.

Sebel hat versprochen, aus allem, was er an Musik bekommen hat, ein Gesamtkunstwerk zu machen. Einen Song, in dem jeder in irgendeiner Weise vorkommt. Wird es ihm gelingen, rund 200 Tonspuren in einem Song unterzubringen? Der Erlös soll an die Deutsche Orchesterstiftung gehen, die einen Fond für freischaffende Künstler eingerichtet hat. Am 25. Mai 2020 wird das Kunstwerk veröffentlicht.

Sebel ist sicher: „Wir können etwas schaffen, wenn wir als Menschen das Große und Ganze sehen, … weil wir zusammenstehen.“
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Ein Film für Unterwegs im Westen von Justine Rosenkranz.

Dieser Film wurde im Jahr 2020 produziert. Alle Aussagen und Fakten entsprechen dem damaligen Stand und wurden seit dem nicht aktualisiert.

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