Weselsky: „Bahn und Bund wollen das Horrorszenario“

GdL-Chef Claus Weselsky über Streik im Schienenverkehr, die
DGB-Gewerkschaften und die Medien

Wir treffen Claus Weselsky einige Tage nach dem achten bundesweiten
Streik der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) Im Gebäude des
Deutschen Beamtenbundes an der Berliner Friedrichstraße. Weselsky ist
Medienprofi: Flugs steckt er sich das Funkmikrofon an und fragt nach dem
Tontest. Eine Gruppe von Mitmietern, die durch das Atrium laufen,
demonstrativ lachen und mit dem Kopf schütteln, ignoriert der GdL-Chef.
Kritik ist er gewohnt, spätestens seit der Springer-Konzern eine wahre Medienkampagne gegen den Gewerkschafter gestartet hat.
Routiniert legt er im Interview mit weltnetz.tv die Kernpunkte des
Arbeitskampfes dar. „Wir haben insgesamt vier Millionen Überstunden, das sind 40 Prozent der gesamten Überstunden des Bahnkonzerns, obwohl wir nur zehn Prozent der Belegschaft abbilden“, so Weselsky, der gleichermaßen gegen die meisten DGB-Gewerkschaften, das Bahnmanagement und die Bundesregierung austeilt.
Natürlich stehe hinter dem Streik auch das Tarifeinheitsgesetz, das die sozialdemokratische Arbeitsministerin Andrea Nahles umsetzen will. Auch DGB und der Arbeitgeberverband BDA hätten dieses Gesetz schon 2010 angestrebt, damals sei es jedoch von der FDP verhindert worden, führt Weselsky aus. Die für das Gesetz angeführten Gründe hält er für fadenscheinig: „Vier Jahre lang ist nichts passiert. Es gab keine großen Streiks, noch sind hunderte Gewerkschaften gegründet worden. All die Horrorszenarien sind nicht eingetreten. Jetzt hat das Staatsunternehmen
den Auftrag bekommen, über die Bundesregierung, hier das Horrorszenario herbeizuführen“, so Weselsky, der im Gespräch mit weltnetz.tv auch auf die Positionen anderer Gewerkschaften, die Medien und seinen persönlichen Umgang mit dem belastenden Arbeitskampf eingeht.

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