Wenn Wirtschaftsrechte über Menschenrechten stehen? (Dokumentation 2011)

Kinder zu stehlen und zu verkaufen ist in China ein einträgliches Geschäft: 200 000 Mädchen und Jungen, schätzt die Internetplattform „Baby Come Home“, werden dort jedes Jahr von Menschenhändlern entführt: Manche schuften als Arbeitssklaven auf dem Land andere als Bettler oder Prostituierte in den Städten. Manche werden von kinderlosen Familien gekauft – die Jungen als Stammhalter und die Mädchen als künftige und früh zu verheiratenden Braut.

Die Polizei in China rafft sich selten auf, ernsthaft nach den entführten Kindern zu fahnden. Deshalb hat die Internetplattform „Baby Come Home“ landesweit ein Netz von 50 000 freiwilligen Helfern im ganzen Land aufgebaut. Zurzeit suchen sie 6 000 Kinder auf ihrer Homepage – verzweifelte Eltern haben sich an sie gewandt, weil sie von der Polizei enttäuscht sind und die Hoffnung nicht aufgeben wollen, ihr Kind eines Tages wieder in die Arme schließen zu können.

Hou Dianming sucht seine kleine Tochter Wanping. Sie ist jetzt fünf und sie war erst drei Jahre alt, als irgendjemand sie vor zwei Jahren aus ihrer Wohnung in Schanghai entführte – seitdem ist ihr Vater ein Getriebener. Er folgt wieder einmal einer Spur, dieses Mal in den Süden Chinas. Jemand will sie dort erkannt haben. Es ist schon die sechste Reise, die er unternimmt, um sie wiederzufinden. Bisher waren alle Versuche vergeblich.

Dai ist 32 Jahre alt. Sie war erst zehn, als Menschenhändler sie entführten und 1989 an eine Bauernfamilie in der Fujian-Provinz verkauften. Sie durfte nicht mehr in die Schule gehen und musste hart arbeiten. Ihre leiblichen Eltern hat sie seit 22 Jahren nicht mehr gesehen. Die ARTE-Reporter haben die beiden begleitet: den Vater Hou Dianming auf der Suche nach seiner Tochter – und die Tochter Dai auf der Suche nach ihren Eltern.

Rio: Weg mit den Favelas – Rio de Janeiro macht sich schön für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 – und da stören die Elendsviertel in der Stadt: Sie werden geräumt und abgerissen, eineinhalb Millionen Menschen müssen gehen, ob sie wollen oder nicht. An Stelle der Slums mit ihrer Armut und der Kriminalität sollen neue schöne Viertel entstehen: 13 Milliarden Euro wollen Bauunternehmer investieren, um Rio de Janeiros Schmuddelecken aufzupolieren.

Ihre Methoden sind nicht zimperlich: Früh morgens rückt die Polizei an, begleitet von schwer bewaffneten Sondereinheiten und zwingt die Leute aus ihren Häusern – dann rollen die Bagger an und walzen alles nieder. Viele Familien haben auf diese Weise schon ihre Unterkunft verloren und auch ihre Arbeit. Denn auch wenn ihnen neue Unterkünfte von der Stadt vermittelt werden – sie sind in der Regel weit draußen am Rand der Megacity Rio, Stunden mit dem Bus entfernt von den gewohnten Arbeitsplätzen und Schulen.

Das passe nicht recht zusammen mit dem Bild des neuen sozialen Brasilien, dass seinen Ärmsten in den letzten Jahren immerhin wirtschaftlich auf die Beine geholfen habe, beschweren sich die Organisationen der „Neu-Entrechteten“ und es verstoße gegen geltendes brasilianische Recht, die Menschen aus ihren alten Vierteln einfach wegzubaggern. Aber der Bürgermeister in Rio bleibt hart: Allein bis Ende 2012 werden noch weitere 20 000 Familien die Favelas räumen müssen – und bis 2016 werden die Ärmsten in Rio die Olympische Flamme wohl nur noch im Fernsehen bewundern können.

Liang Zi, Fotografin: Liang Zi stammt aus einer Militärfamilie. Sie begann ihre Karriere 1979, während des Kriegs zwischen China und Vietnam, als Fotojournalistin für die chinesische Armee. Nach ihrer Rückkehr wurde sie mit einer Verdienstmedaille geehrt. Für viele Soldaten war sie eine Heldin. 2000 beschloss sie, die Armee zu verlassen und ging nach Afrika, ohne ein einziges Wort Englisch zu sprechen. Innerhalb von zehn Jahren war sie acht Mal dort. 2003 fuhr sie zum ersten Mal nach Afghanistan, 2009 ein zweites Mal. Bei ihrem zweiten Aufenthalt wurde sie von der NATO eingeladen und ist bisher die einzige Fotografin, die je auf einem Militärstützpunkt des Atlantikbündnisses akzeptiert wurde.

Wenn Wirtschaftsrechte über Menschenrechten stehen? (Dokumentation 2011)
Geraubte Kinder in China und der weg mit den Favelas in Rio wegen der Fußball-WM 2014?
ARTE Frankreich, 2011, 42 Minuten, Erstausstrahlung: 19.11.2011 um 18:16 Uhr auf Arte TV
weitere Ausstrahlungen: 20.11.2011 um 12:00 Uhr und 26.11.2011 um 06:00 Uhr auf Arte TV
Wenn Wirtschaftsrechte über Menschenrechten stehen? (Dokumentation 2011)

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