Welt in Bewegung: Die Flüchtlinge und wir (Richard David Precht 13.09.2015)

Der reiche Westen erlebt zur Zeit eine Flüchtlingswelle wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Richard David Precht spricht darüber mit Cap-Anamur-Mitbegründer Rupert Neudeck. Sind die gegenwärtigen Fluchtbewegungen nur eines jener tragischen, immer wiederkehrenden Phänomene, die die Industriestaaten lediglich politisch und logistisch aussitzen müssen, oder sind sie Vorboten einer viel gravierenderen Schieflage auf unserem Planeten? Längst geht es nicht mehr nur um das Management der Migrationsströme, die Verantwortung von Staat und Gesellschaft geht viel weiter. Darüber spricht Richard David Precht mit Rupert Neudeck, dem Mitbegründer der Hilfsorganisationen Cap Anamur/Deutsche Notärzte e. V. und Grünhelme, der sich seit 36 Jahren dem Kampf gegen das Flüchtlingselend verschrieben hat.

Seit Hunderttausenden von Jahren sind Menschen unterwegs. Sie wandern von ihren Heimatregionen in andere Gebiete, als Pioniere und Eroberer, aber auch als Flüchtlinge und Vertriebene. Die Flüchtlinge von heute vereint der Wunsch nach einem sicheren, besseren Leben in den wohlhabenden europäischen Ländern. Dort hat man mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Zerfall der Sowjetunion und mit dem Schengener Abkommen die Grenzen geöffnet, Mauern und Zäune feierlich niedergerissen.

Nun aber werden in Ungarn, Bulgarien, England und anderswo wieder Grenzsperren aufgebaut oder geplant, um Flüchtlinge schon an den EU-Außengrenzen aufzuhalten. Die viel gepriesene Globalisierung ist nicht überall willkommen: Während freie Kapitalströme, der Austausch von Waren und Wissen willkommen sind, soll der Menschenstrom der Verfolgten und Heimatlosen nicht ganz so frei fließen.
Soll die EU daher endlich ihre Grenzen aufmachen, um alle Flüchtlinge und Zuwanderer aufzunehmen? Wie viele Flüchtlinge verkraftet Deutschland wirklich?

Oder sollen wir uns stattdessen viel nachhaltiger und weitreichender in die Geschicke jener Staaten einmischen, aus denen Asylbewerber und Einwanderer stammen? Für Rupert Neudeck beginnt eine erfolgreiche Flüchtlingspolitik in einer völlig neu ausgerichteten Entwicklungspolitik. Er plädiert dafür, einzelne funktionierende Staaten mit gezielten und massiven Partnerschaften zu ertüchtigen und so den Menschen in ihren Ländern neue Perspektiven zu geben. Neudeck setzt sich zudem dafür ein, dass Migranten auch ohne Asylrecht Zugang zu unserer Gesellschaft erhalten müssen.

Ist der gegenwärtige Diskussionsansatz zur Flüchtlingspolitik völlig falsch gewählt, indem man über die für uns spürbare Symptomatik lamentiert und sich kaum mit den Ursachen und unserer Verantwortung für diese Ursachen auseinandersetzt, fragen sich Precht und Neudeck. Abschreckung statt Mitleid, Angst vor Überfremdung statt Hilfsbereitschaft. Die Zeiten sind vorbei, so Precht, dass wir uns hinter Landesgrenzen vor den Problemen der Welt abschotten, um unseren Wohlstand zu schützen.

Welt in Bewegung: Die Flüchtlinge und wir (Richard David Precht / Rupert Neudeck 14.09.2015)
Quelle: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/fd7a57c8-eb74-4bc1-8b82-6b42160fc362/6efeaf1b-7da8-47b7-aa59-b339e640e3f4

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