Wahrheit hinter den Märchen | Der Rattenfänger von Hameln (Doku)

Chroniken berichteten von einem geheimnisvollen Mann im bunten Rock, der die Kinder aus der Stadt entführt haben soll. Keine andere Sage wurde über mehr als 700 Jahre immer wieder neu interpretiert. 1816 nahmen die Brüder Grimm den Stoff in ihre Sammlung auf. Welches reale Ereignis lag dem Exodus der Kinder zu Grunde?

Der Fremde gab sich als Rattenfänger aus und versprach, gegen Entgelt die Stadt von Ratten und Mäusen zu befreien. Tatsächlich lockte er einen riesigen Haufen der unerwünschten Nager an die Weser – allein mit den Tönen seines Pfeifchens. Die Tiere stürzten sich ins Wasser und ertranken. Von der lästigen Plage befreit, verweigerten die Verantwortlichen jedoch den vereinbarten Lohn. Zornig verschwand der Spielmann, kehrte aber bald darauf zurück – mit rotem Hut und in der Kleidung eines Jägers. Als er seine betörenden Klänge in den Gassen hören ließ, sammelten sich viele Kinder um ihn. Nach Aussagen von Augenzeugen führte er sie aus den Mauern hinaus in die Felder und dann direkt in einen Berg. Dort verlor sich ihre Spur.

Boten, die ausgesandt wurden, um die Verschollenen aufzuspüren, kehrten ohne Ergebnis zurück. Gerüchten zufolge soll die Schar in eine Höhle marschiert und in Siebenbürgen (Rumänien) wieder herausgekommen sein.

Machte der vermeintliche Rattenfänger in Wahrheit Propaganda für die Besiedlung neuer Gebiete und suchte Freiwillige? Wissenschaftler erklären den sagenhaften Auszug mit dem großen Treck nach Osten, der im 13. Jahrhundert für viele Menschen in den Städten wie ein Rettungsanker winkte. Belegt ist, dass professionelle, bunt gekleidete Werber – so genannte Lokatoren – in Begleitung von Trommlern oder Pfeifern im Auftrag des Deutschen Ritterordens unterwegs waren, um Siedler für die Kolonisation der weiten, unbebauten Flächen im Osten zu gewinnen. Der Namensforscher Professor Udolph hat in Brandenburg, in der Uckermark und in Pommern eindeutig zwölf Orte identifiziert, die ähnlich heißen wie alte Orte aus der Region Hameln und dem Weserbergland.

Eine weitere Theorie basiert auf der Vermutung, die 130 Jugendlichen seien der Pest zum Opfer gefallen, die im Mittelalter einen Großteil der Bevölkerung dahinraffte. Während einer Epidemie konnten durchaus Menschen „verschwinden”. Niemand sprach über die tödliche Krankheit, denn dem Aberglauben nach suchte die Seuche jeden heim, sobald er sie beim Namen genannt hatte.

Wahrheit hinter den Märchen | Der Rattenfänger von Hameln (Doku)
Die Wahrheit hinter den Märchen? Der Rattenfänger von Hameln (Doku).

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