Vom Arisierer der Deutschen Bank zum Mister Banker of Germany

Vom Arisierer der Deutschen Bank zum Mister Banker of Germany

Aus dem Nachlass des Hermann Josef Abs

Im Historischen Institut der Deutschen Bank lagern die Dokumente zum Londoner Schuldenabkommen und zum Wiedergutmachungsabkommen mit Israel – bei aus demJahr 1952. Im Schuldenabkommen wurde über die deutschen Zahlungsverpflichtungen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg verhandelt und die Forderung nach Reparationen auf den Sankt Nimmerleinstag geschoben. Eigentlich kaum zu glauben, angesichts der Millionen Kriegstoten.
Nach neun Jahren Prozessieren durfte ich im Juni 2019 in der Bank diese Akten einsehen, den Nachlass von Hermann Josef Abs, während des Zweiten Weltkrieges Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und verantwortlich für die „Arisierung“ jüdischen Eigentums. Nach dem Krieg wurde Abs enger Vertrauter von Bundeskanzler Konrad Adenauer, Katholik wie er. Ab Mitte der fünfziger Jahre verwandelte die Public-Relation-Agentur von General a.D. Julius Klein mit Sitz in Chicago den Arisierer der Deutschen Bank in den honorigen „Mister Banker of Germany“.

Abs´ Karriere als Arisierer ist kein Geheimnis. Wenig dokumentiert ist seineTätigkeit nach Kriegsende. Über seinen Nachlass wachte ja die Bank. Ich habe diese Akten von 1948 bis 65 eingesehen.

1952 wurde, die Londoner Schuldenkonferenz einberufen. Adenauer schickte nicht seinen Finanzminister dorthin sondern den Banker Abs. Von vorne herein stand fest, dass nur die Schulden vor dem Zweiten Weltkrieg und nach 1945 verhandelt würden. Die West-Alliierten hatten im Deutschlandvertrag versprochen, aus der laufenden Produktion keine Reparationen zu entnehmen, sondern sich stillschweigend aus dem beschlagnahmten deutschen Auslandsvermögen zu bedienen. Während es in der offiziellen Geschichtsschreibung heißt, dass Deutschland an niemanden Reparationen gezahlt hat, haben sich die Westmächte auf diese Art bedient. Für die kleineren Länder, wie Holland oder Griechenland, die während der deutschen Besatzung geplündert worden waren, sollte das aber nicht gelten. Und für die Staaten des Ostblocks schon gar nicht.