Urlesung: Jelineks „Die Schutzbefohlenen”,St.-Pauli-Kirche (Thalia-Theater & Refugees)21.09.2013



Urlesung: Jelineks „Die Schutzbefohlenen", St.-Pauli-Kirche (Thalia-Theater & Refugees)

Hamburg, St.Pauli-Kirche, diverse Orte in der Stadt
21.09.2013
(utopieTV-doku-video)
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Anmerkung von utopieTV:
Die in diesem Video gezeigten Szenen der in der Stadt umherziehenden Flüchtlinge entstanden ca 6 Wochen vorher, als sie eine neue Bleibe suchten, da sie in aus der provisorischen Erstunterkunft durch eine bevorstehende Räumung durch einen Vermieter vertrieben wurden. An diesem Abend wurden die mehrfach abgeschobenen Menschen an einem Zufluchtsort in der Stadt wiederum abgeschoben, um dann spät in der Nacht an einem weiteren Zufluchtsort zu schlafen.

Hamburg. Das Hamburger Thalia-Theater hat gemeinsam mit afrikanischen Flüchtlingen Elfriede Jelineks jüngsten Text „Die Schutzbefohlenen" in der St.-Pauli-Kirche als Urlesung präsentiert. Zwölf Schauspieler lasen den um die Hälfte gekürzten Text vor dem Altar oder verteilt in der Kirche zwischen stehenden und auf dem Boden sitzenden Zuschauern. Auch zwölf der insgesamt 80 Flüchtlinge, die zur Zeit in der Kirche untergekommen sind, beteiligten sich an der Aufführung. Auf einer Videoleinwand wurden auf der Flucht gefilmte Handyaufnahmen gezeigt.

Die 80 Afrikaner, die auf der Flucht vor dem libyschen Bürgerkrieg in Deutschland gestrandet sind, leben seit Juni in der St.-Pauli-Kirche. Den Text „Die Schutzbefohlenen" hatte die österreichische Literaturnobelpreisträgerin, die mit einer Videobotschaft zugeschaltet wurde, anlässlich ähnlicher Vorgänge in der Wiener Votivkirche geschrieben. „Wir sind in einem Moment der Ohnmacht. Aber zusammen stehen wir auf", sagte Pastor Sieghard Wilm nach der rund einstündigen Lesung, die mit viel Beifall bedacht wurde. „Wir müssen in der Kirche auch manchmal laut sein."

Das Schicksal der Männer, die vorwiegend aus Westafrika stammen, ist seit Monaten ungeklärt. Sie waren während des Bürgerkriegs in Libyen auf die italienische Insel Lampedusa geflüchtet. Von dort schickten italienische Behörden sie mit Touristen-Visa für den Schengenraum nach Nord- und Mitteleuropa. 300 von ihnen gelangten so im März nach Hamburg.

http://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Jelineks-Die-Schutzbefohlenen-in-St.-Pauli-Kirche

Hamburg — Stadt der Heimatsuchenden. Ein Wochenende über Ankommen und Aufbrechen

Einmalige Urlesung: „Die Schutzbefohlenen" in der St. Pauli Kirche am 21. September
Uraufführung: „Bye Bye Hamburg" am 22. September

Am diesem Wochenende beschäftigt sich das Thalia Theater in zwei Veranstaltungen mit großen Flucht- und Wanderbewegungen quer über den Globus.
In Kooperation mit der St. Pauli Kirche und den 80 libyschen Flüchtlingen, die seit Anfang Juni Zuflucht bei Pastor Sieghard Wilm auf dem Kirchengelände gefunden haben, findet eine Urlesung von Elfriede Jelineks „Die Schutz-befohlenen" statt. Jelinek hat ihren jüngsten Text anlässlich der Vorgänge um das Kirchenasyl in der Wiener Votivkirche geschrieben. Darin werden die dringenden Fragen zu Zuwanderung nach Europa und Missständen des Asylrechts der Gegenwart ganz konkret gestellt. Im Mittelpunkt der Lesung stehen die Flüchtlinge der Gruppe Lampedusa in St. Pauli, die auf der Flucht vor dem libyschen Bürgerkrieg erst auf Lampedusa und nun in Hamburg gestrandet sind. Unterstützt werden sie von Mitgliedern des Thalia Ensembles.

Scholz will keine Sonderregeln für Afrika-Flüchtlinge

Der SPD-geführte Senat bleibt bei seiner harten Linie den "Lampedusa-Flüchtlingen" gegenüber. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stellte im Gespräch mit dem Abendblatt klar, dass es keine Sonderregelung für die rund 80 Männer aus Nordafrika geben werde, die seit fast vier Monaten in der St.-Pauli-Kirche ausharren.
"Es wird in Hamburg keine Situation geben, in der Männer mit unbekannten Namen und unbekannten Flüchtlingsschicksalen ein Aufenthaltsrecht bekommen", sagte Scholz. Wer als Flüchtling Schutz vor Verfolgung suche, müsse den Behörden seinen Namen nennen und seine Fluchtgeschichte erzählen. Nach Informationen des Abendblatts ist das bislang nicht geschehen. "Wenn man das zugrunde legt, was die Männer öffentlich geäußert haben, dürfte es wohl allenfalls für einige wenige von ihnen eine Perspektive in Deutschland geben, für die meisten nicht", sagte der Bürgermeister.

Hamburger Abendblatt, 20.9.2013

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