Unternehmen Deutschland | Konnichiwa Deutschland (Dokumentation 2011)

https://youtu.be/PULFHFJ7nRE
“Ich war ein junger, abenteuerlustiger Mann, mein Geld reichte nur für ein Einfachticket und ich hatte nicht mal einen Koffer dabei”, fasst Akio Ando seine Reise nach Deutschland zusammen. Das war vor 46 Jahren.

Akio Ando ist so etwas wie ein Sushi-Pionier. Denn der Japaner machte den Düsseldorfern erstmals rohen Fisch schmackhaft – was zu Beginn echte Überzeugungskraft kostete. Heute betreibt der 69-Jährige acht Restaurants und Düsseldorf hat eine der größten japanischen Gemeinden außerhalb Japans. Rund 12.000 Japaner leben in NRW.

Bevor sich Akio Ando 1965 entschließt, nach Deutschland zu gehen, ist er Forstwirtschafts-Beamter auf Hokkaido. Ans Sushi-Geschäft denkt er noch lange nicht. Wie viele seiner Landsleute zu dieser Zeit bekommt er in Duisburg eine Anstellung als Bergmann und arbeitet unter Tage. Die ersten deutschen Wörter, die er lernt, sind “Schaufel”, “Glück auf” und “geh’ weg”.

Zur selben Zeit reist auch die japanische Krankenschwester Kimiko Matsushita nach Duisburg, um dort im städtischen Krankenhaus zu arbeiten. Deutschland braucht gut ausgebildete Pflegerinnen. Kimiko und Akio lernen sich in der buddhistischen Gemeinde kennen. Sie heiraten 1968, ein Jahr später kommt der erste ihrer drei Söhne zur Welt.

Erst als Akio Ando 1969 Zeuge eines Bergunglücks wird, kehrt er dem Bergbau den Rücken und steigt als einfacher Lagerarbeiter ins Lebensmittelgeschäft ein. Nach und nach siedeln sich Japaner in Düsseldorf an. Denn nachdem dort die Internationale Japanische Schule gebaut ist, eröffnen immer mehr japanische Firmen ihre europäische Niederlassung in Düsseldorf.

So kommen auch der Mathematiklehrer Fusao Nakashima und die Musikerin Kyoko Jastram nach Deutschland. Fusao Nakashima verliebt sich, heiratet eine Deutsche und wird der erste Japaner, der im Karneval Büttenreden auf “Düsseldorfer Platt” hält.

Die wachsende japanische Gemeinde ist eine Chance für Familie Ando: Sie bauen eine kleine Lagerhalle zu einem Lebensmittelgeschäft mit Küche um, kaufen sich einen Lieferwagen und liefern Sushi und andere Gerichte aus. “Es brauchte schon ein bisschen Geschick und Kochkunst, das deutsche Gemüse japanisch aufzubereiten”, lacht Akio Ando über seine ersten Kochversuche. Seine Söhne schickt er auf eine deutsche Schule. “Meine Mentalität, immer höflich zu bleiben, stand mir manchmal im Weg, ich war sehr schüchtern”, erinnert sich der jüngste Sohn Hiroaki an seine Teenagerzeit.

Einige Jahre später eröffnen seine Eltern das Sushi-Restaurant “Maruyasu” in einem Düsseldorfer Einkaufszentrum. Doch Sushi ist kaum bekannt, und die Düsseldorfer essen keinen rohen Fisch. Jeden Abend landet kiloweise Sushi im Müll. Die Andos stehen kurz vor dem Konkurs. Um die Deutschen doch noch vom japanischem Essen zu überzeugen, experimentieren sie in der Küche: “Wir haben unseren Sushi-Fisch sogar angebraten”, erzählen sie. Mit dem Ideenreichtum steigt der Umsatz.

Sushi etabliert sich in Deutschland und 2002 wird “Mayurasu” als eines der besten Restaurants ausgezeichnet. Heute führen die Andos acht Restaurants, Imbisse und Shops mit insgesamt 80 Mitarbeitern, zwei davon werden von den Söhnen Shinsaku und Takamasa geleitet. Nur der Jüngste hat weniger Interesse an der Gastronomie. Hiroaki ist Grafikdesigner und hat sich auf Mangas, japanische Comicgeschichten, spezialisiert.

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