Über den Verlust des kritischen Denkens und warum wir es wieder brauchen.

Auf Einladung der Heidelberger Regionalgruppe des Evangelischen Studienwerks Villigst untersucht der Herausgeber der NachDenkSeiten, ob und wie das gut ausgebildete Bürgertum seiner Aufgabe als kritischer Begleiter des politischen Geschehens gerecht wird. Das Ergebnis seiner Analyse: Weitgehend wird es seiner Aufgabe nicht mehr gerecht.

Die geistig gut trainierten Menschen haben leider wenig Einsicht in die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Mehrheit unseres Volkes, vor allem des Prekariats – also jener Menschen, die wenig verdienen, in ungesicherten, vermögenslosen Verhältnissen leben und oft verschuldet sind.

Das Bürgertum, so sein Bericht, hat leider wie in der Weimarer Zeit wenig Einblick in gravierende Manipulationsvorgänge. Sie, oft Leserinnen und Leser von „Zeit“, „Spiegel“, „FAZ“ und der „Süddeutschen Zeitung“, sind genauso verführbar wie die Bild-Zeitungsleser.

Die Vergangenheit lehrt: Eine Demokratie kommt schwer zum Wanken, wenn sich der politische Willensbildungsprozess und das politische Leben insgesamt auf ein waches Bürgertum, auf eine starke Gewerkschaftsbewegung und auf lebendige Parteien abstützen kann. Davon, das ist diese wichtigen Säulen noch gäbe, kann man heute nicht mehr sprechen, übrigens genauso wenig wie in der Weimarer Republik. Das evangelische Studienwerk wurde 1948 gegründet, um einem Versagen wie in der Weimarer Zeit ein bisschen entgegenzuwirken.

Die Textfassung der Rede erschien hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=38498 .

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