Tunis – Kairo – Tripolis: Terrormanagement im 21. Jahrhundert – ein Interview mit Christoph Hörstel

Das komplette Interview ist hier zu sehen: http://nuoviso.tv/kanaele/studio-lounge/274-terrormanagement

Frage:
Wir erleben in den Wochen seit Beginn des Jahres 2011 ein regelrechtes Despotenstürzen in Nordafrika. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Christoph Hörstel:
Diese Entwicklung wird die nächsten Jahrzehnte des Nahen und mittleren Ostens intensiv bestimmen mit Auswirkungen auf den gesamten Globus. Es wird Auswirkungen haben auf die Bestrebungen der USA, sich den Iran gefügig zu machen. Es wird Auswirkungen auf die Art der Beherrschung und des Umgang der Region durch die USA haben. Es wird den Druck auf Israel erhöhen, eine einvernehmliche Lösung mit den Palästinensern stärker als bisher zu suchen und es wird nicht mehr so leicht sein, wie als der Westen über einen Despoten im Land das gesamte politische Geschehen abgedeckt hatte. Eigentlich müsste es so sein, dass wir diese Bevölkerungen, die sich unter schrecklichen Verlusten von ihren Despoten befreit haben, in ihrer Souveränität bestärken, sie ernster nehmen und mit ihnen auf Augenhöhe agieren. Aber dies alles sehe ich nicht.

Frage:
Welche geostrategische Interessen hat der Westen an Ländern wie Ägypten?

Christoph Hörstel:
Israel muss gesichert bleiben. Denn es ist sozusagen wie der Flugzeugträger des Westens im arabischen Raum und der Pfahl im arabischen Fleisch soll offenbar erhalten werden. Es geht auch aufgrund des wirtschaftlichen Vorstoßes der Chinesen um die Sicherung des afrikanischen Kontinents. Deswegen haben wir vor wenigen Jahren AFRICOM bekommen. Washington leistet sich ja die Großzügigkeit, die gesamte Welt in Kommandobereiche einzuteilen, und so gibt es auch EUCOM und CENTCOM. Also hier haben wir aus der Sicht Washingtons die klare Notwendigkeit, Herrschaftssicherung zu betreiben. Es geht auch um ein Zurückdrängen islamischen Gedankengutes und der islamischen Erneuerungsbewegung. Ganz fürchterlich ist in amerikanischen Augen ein panislamischer Aufschwung. Das ist etwas, was man überhaupt nicht möchte, dass die Völker dieser einen großen Spange, die sie eint — der Islam, sich zusammentun und ihre Zwistigkeiten herunterfahren. Teile und Herrsche ist ein sehr effizientes Prinzip. Es geht um die Beherrschung und nicht um das Ernstnehmen der Völker, den Respekt und der Gleichberechtigung. Wir haben zweifellos Mubarak zu lange gewähren lassen. Aber warum? Weil man sich darüber im Klaren ist, dass die Stagnation dieser Völker, das innere sich Aufreiben auch Teil unseres eiskalten und mörderischen Machtinteresses in dieser Region ist.

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