Tränen in Nahost

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Krise in Pakistan, Chaos im Irak, iranische Drohungen gegen Israel: Die Lage im Nahen und Mittleren Osten ist instabiler denn je. Damit rückt das US-Konzept einer neuen Weltordnung in weite Ferne.

US-Präsident George W. Bush hatte einst große Pläne mit dem Nahen Osten: Im November 2003, wenige Monate nach Beginn der US-Invasion in den Irak, zeichnete er sein Bild einer demokratisierten Golfregion.”Die Demokratie im Irak wird siegen, und ihr Erfolg wird von Damaskus bis Teheran die Botschaft verbreiten, dass Freiheit künftig in jedem Land möglich ist, versprach er damals vollmundig. Bush sah die islamische Welt an einem Wendepunkt angekommen hin zum Guten. Doch das Gegenteil ist wahr geworden.

Ob Irak, Iran oder Afghanistan der Nahe und Mittlere Osten ist nicht demokratischer und friedlicher geworden, er bleibt ein Pulverfass. Jüngstes Beispiel ist die Entwicklung in Pakistan. Die Demokratie ist dort nichts mehr wert, seit Präsident Pervez Musharraf die Verfassung außer Kraft setzte und seine Kritiker in Gewahrsam nehmen ließ. Da nützt auch die Mahnung des US-Präsidenten nichts, Musharraf möge zum status quo ante einer Demokratie nach amerikanischem Gusto zurückehren.

„Neue Weltordnung abgehakt

Eine neue Weltordnung unter der Führung der USA scheint somit in weite Ferne gerückt. Der Direktor des Hamburger Instituts für Nahost-Studien (GIGA), Udo Steinbach, geht sogar noch weiter: „Bush hat das Konzept einer neuen Weltordnung abgehakt, ist sich der Nahost-Experte sicher. „Amerika steht im Mittleren Osten insgesamt vor einem Scherbenhaufen, so Steinbach im Gespräch mit FOCUS Online. Damit hätten die Amerikaner auch ihre „Position als Führungs- und Ordnungsmacht weitgehend verspielt.

Die Gründe liegen auf der Hand: So hat sich die Lage im Irak seit dem Einmarsch der Amerikaner im Frühjahr 2003 kaum verändert. Der Alltag in dem Land wird fast täglich von Terroranschlägen bestimmt. Selbst der Nordirak, der bislang als weitgehend stabil galt, hat sich mittlerweile zu einer Problemregion entwickelt. Hintergrund sind Angriffe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK auf die Türkei. Damit tut sich für die USA eine weitere Front auf, die den Nato-Partner Ankara in eine kriegerische Auseinandersetzung ziehen könnte. Eine Eskalation wäre verheerend, da die US-Armee den größten Teil ihres Kriegsmaterials über die Türkei in den Irak einführt.

Iran als neues Feindbild

Bush versuche daher den Iran als neues Feindbild aufzubauen. „Das Ziel ist, mit den gemäßigten arabischen Regimen und Israel eine anti-iranische Allianz zu bilden, erläutert der Nahost-Experte. Dafür sei es allerdings nötig, dass es Fortschritte im israelisch-palästinensischen Konflikt gebe. Die Amerikaner setzen hier auf die geplante Nahost-Konferenz in den USA.

Bush ist im Zugzwang: Er muss bei der Stabilisierung des Nahen und Mittleren Ostens endlich Erfolge vorweisen. Und Iran soll ihm dieses Erfolgerlebnis bringen. Dabei nimmt er, wie Steinbach vermutet, „eine Eskalation des Atomkonflikts mit Teheran in Kauf auch mit der Perspektive eines Militärschlags.

(FOCUS Online)

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