Tagesdosis 4.8.2017 – Milliarden für den Fußball: Der Markt funktioniert!

Ein Kommentar von Pedram Shahyar.

Die Transfersummen der europäischen Fussballclubs erreichen in diesem Sommer völlig neue Dimensionen. Manchester City gibt 250 Millionen für neue Spieler aus, und Paris St. German kauft für insgesamt über 300 Millionen Euro den brasilianischen Star Neymar von FC Barcelona. Davor wurden Wochenweise die Rekorde gebrochen: Summen von 100 Millionen Euro sind inzwischen selbstverständlich, um Spieler von anderen Vereinen frei zu kaufen.

Die Empörung ist groß und es ist verständlich. Das ganze ist aber nicht unbedingt Folge von unmoralischen Verhalten Einzelner, sondern die konsequente Entwicklung des Fußballgeschäftes. Die Europäischen Fußballclubs sind zu Global Playern geworden und riesige Finanzströme fließen da rein. Es ist vor allem die Vermarktung in Asien, die den Topclubs Milliarden im Jahr bringt. Fußball ist der Werbeträger der globalen Konzerne in den neuen Märkten, wo hunderte Millionen Menschen dank der Industrialisierung Ostasiens die westlichen Produkte konsumieren können.

Dazu kommt die Protzsucht von neureichen Oligarchen, die auch mit Milliarden als Bosse von Fußballclubs in europäischen Metropolen angeben wollen. Der Russe Abramowitsch machte hier den Anfang: er gab hunderte Millionen aus und rüstete den Londoner Club aus dem vornehmen Chelsea mit teuren Spielern hoch, um sich als Boss des erfolgreichen Clubs sonnen zu können. Arabische Scheichs ließen nicht lange auf sich warten. Im Grunde ist nichts Illegales passiert: alles folgt den Gesetzen der Marktwirtschaft: größere Märkte, mehr Vermarktung, neue Investitionsquellen, höhere Preise für Akteure.

Doch ist und bleibt es völlig unverständlich, wieso gerade in Ländern, wo soziale Probleme und Spaltungen immer weiter zunehmen, solche Summe für Vermarktung im Sport ausgegeben wird. In England sterben Menschen, weil es kein Geld für Sanierung von Wohnhäusern gibt, in Frankreich darbt die Jugend der Vorstädte ohne Zukunftsperspektiven und versinkt in Kriminalität. Werden diese Milliarden nicht woanders gebraucht? Und sicher, ich habe Verständnis dafür, dass Fußballer ein sehr hohes Einkommen haben. Sie sind Künstler, und arbeiten einen großen Teil ihres Lebens sehr hart und intensiv mit ihren Körper. Aber muss ein Neymar 100 Millionen Handgeld bekommen, während man als Pflegekraft für ältere Menschen oder Kranke keine 30.000 im Jahr bekommt? Wenn Neymar nicht arbeitet, dann fliegt die Flanke nicht so schön, und die Freudenmomente unzähliger Menschen sind vielleicht etwas kleiner, aber wenn die Pflegekraft nicht arbeitet, dann leiden Menschen.

Die Gesetze der Marktwirtschaft funktionieren für die Waren, aber nicht für Menschen. Die Profite mit Waren müssen fließen, und sich immer weiter in der Pyramide konzentrieren, in den Händen von immer weniger Menschen, immer weiter oben. In Sinne der Bedürfnisse der Menschheit funktionieren diese Gesetze nur, wenn sie gebrochen und demokratisch gesteuert werden. Der Markt kann nicht die steuernde Instanz für die Gesellschaft sein, wenn diese für Alle gut sorgen soll. Es braucht eine kontrollierende Instanz: eine menschliche, humanistische Ethik, ausgerichtet an den Bedürfnisse Aller und unseren gemeinsamen Möglichkeiten.

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