Tagesdosis 4.6.2018 – Rassismus für Intellektuelle

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Tagesdosis 4.6.2018 – Rassismus für Intellektuelle

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Wer sind die Antideutschen? In meiner letzten Tagesdosis schrieb ich über ihr Treiben in der angeblich linksradikalen Clubszene im Leipziger Süden. Die laufende Veranstaltungsreihe »70 Jahre Israel« wird von Vertretern ihrer härtesten Front dominiert. Gemeint ist das Umfeld der Redaktion ihres Sprachrohrs »Bahamas« um Wortführer Justus Wertmüller. Wie er vertritt das Blatt teils klassisch rechtsradikale Positionen. Es grassiert anti-arabischer Rassismus, Parteien wie die AfD, die FPÖ und der Front National werden bejubelt. Die Tagesdosis stiftete Verwirrung. Tatsache ist, dass die Meisten, auch selbst erklärte Linke, das Phänomen »Antideutsche« nicht verstehen. Eins vorab: sind weder links noch »antideutsch«.

Links und rechts

Zunächst müssen die Zuschreibungen links und rechts näher beleuchtet werden. Sie entstammen der französischen Revolution. Im damaligen Parlament saßen rechts jene, welche die Monarchie bewahren wollten. Links saßen die Vertreter der bürgerlichen Demokratie. Letztere brachte den armen und am meisten unterdrückten Bevölkerungsschichten erstmals in Gesetz gegossene Rechte. So konnte die Monarchie – ein Relikt aus feudalen Zeiten, das dennoch bereits als Überbau des frühkapitalistischen Staats fungierte – von einer repräsentativen Demokratie abgelöst werden.

Was im Frühkapitalismus des späten 18. Jahrhunderts ein Fortschritt im Sinne der Armen war, ist es heute jedoch längst nicht mehr. Das seit seinem Beginn nach globalem Wachstum strebende System zerfällt bereits. In der Peripherie verlieren Staaten ihre Macht und Kontrolle, Oligarchen, Warlords und deren Terrormilizen übernehmen das Ruder. Alles drängt in die Barbarei. Auch in den Industrienationen zeigt sich der Verfall. Soziale Strukturen zerbrechen, Millionen rutschen in elementare Armut. Und die Staatsapparate rüsten auf. Politisch drängen sie in die autoritäre Richtung in Form von Polizeistaat, Diktatur, Faschismus.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen unterliegt jeder Kapitalist dem Zwang, seinen Profit zu mehren. Dabei steht er in Konkurrenz zu anderen Kapitaleigentümern. Die Folge: Das Kapital konzentriert sich in wenigen Händen. Aktuelle Zahlen, wonach inzwischen die acht reichsten Menschen etwa so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, belegen das. Es ist logisch: Wo sich oben immer mehr anhäuft, bleibt unten immer weniger. Und es schwinden die Anlagemöglichkeiten. Darum privatisieren Staaten, wo es geht.

Zweitens hat der technologische Fortschritt die auf Kapitaleigentum auf der einen und abhängiger Lohnarbeit auf der anderen Seite basierenden Produktionsverhältnisse längst überholt. Wo Maschinen und Computer die Arbeit erledigen, werden Arbeiter freigesetzt. Das lässt Steuereinnahmen schrumpfen. Während die Zahl der Outgesourcten steigt, bauen die Staaten ihre Sozialsysteme ab. Die Verelendung innerhalb der unteren Schichten schreitet voran. Das treibt das Kapital noch schneller in die Überproduktions- und Verwertungskrise, die am Ende nur ein globaler Krieg im Sinne des Systemerhalts lösen kann. Wir sind mittendrin. Wer daran heute festhält, will bewahren. Per Definition steht er rechts.

Pseudointellektuelle Thesen

Zunächst: Der Versuch, politische Bewegungen zu unterwandern, psychologisch zu beeinflussen und zu verwirren, ist nicht neu. Die herrschende Klasse und ihr Instrument, der Staat, haben dazu alle Mittel. Schulen, Universitäten, Stiftungen, Institute, politische Parteien dienen vor allem dazu, Menschen systemkonform zu integrieren. Und Geheimdienste waren und sind ebenfalls nicht untätig…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/

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