Tagesdosis 29.7.2017 – Es war einmal in Amerika…

Ein Kommentar von Ernst Wolff.

In den USA lebte einmal ein wohlhabender und erfolgreicher Geschäftsmann. Er gehörte der Republikanischen Partei an und investierte sein Geld rund um die Welt. Obwohl ihm vom politischen Establishment nur geringe Chancen eingeräumt wurden, bewarb er sich um das Amt des Präsidenten. Er versprach dem amerikanischen Volk niedrigere Steuern und Wohlstand für alle  – und wurde gewählt.

Als Präsident ernannte er einen der reichsten Männer der USA zum Finanzminister und verfolgte mit seinem Kabinett eine protektionistische Handelspolitik. Der Aktienindex an der New Yorker Börse schnellte in den ersten Monaten seiner Amtszeit in die Höhe und erreichte immer neue Rekordwerte.

Nein, dies ist kein „Blick zurück aus der Zukunft“ und der Präsident hieß nicht Donald Trump. Er hieß Herbert Hoover und bekleidete sein Amt von 1929 bis 1933.

Warum sollte man Herbert Hoover kennen? 

Weil der Boom an den Aktienmärkten sowohl unter Trump als auch unter Hoover nicht auf das Wachstum der US-Wirtschaft, sondern auf die lockere Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve zurückzuführen ist. Weil es nach der Beendigung dieser Politik durch die FED im Oktober 1929 zum „Schwarzen Dienstag“ kam, dem bis heute größten Börsencrash aller Zeiten. Und weil die FED gegenwärtig vor der Alternative steht, durch eine Fortsetzung ihrer lockeren Geldpolitik eine Hyperinflation zu riskieren oder ähnlich wie 1929 zu handeln.

Was waren damals die Konsequenzen? 

Der Crash von 1929 löste die „Große Depression“ aus, die Millionen Amerikaner ein Jahrzehnt lang in bittere Armut stürzte.  Außerdem setzte ein nie dagewesener Prozess der Konzentration im Finanzwesen ein, da mehr als neuntausend regionale Banken zusammenbrachen und von den US-Großbanken übernommen wurden. Die Auswirkungen des Crashs reichten sogar bis nach Europa, wo sie in Deutschland zur Massenarbeitslosigkeit führten und dem Nationalsozialismus den Weg bereiteten.

Wie reagierte Präsident Hoover auf  die Politik der FED?

Es ist nicht bekannt, dass Präsident Hoover die FED während seiner Amtszeit auch nur ein einziges Mal öffentlich kritisiert hätte. Bekannt ist aber, dass er mexikanischen Immigranten die Schuld an der Wirtschaftsmisere der USA gab und eine halbe Million von ihnen im Rahmen eines „Repatriierungsprogramms“ außer Landes schaffen ließ. Was im übrigen nichts daran änderte, dass wegen der um sich greifenden Arbeits- und Obdachlosigkeit überall in den USA Slums entstanden, die nach dem Präsidenten benannt wurden und als „Hoover-Villes“ traurige Berühmtheit erlangten.

Der US-Schriftsteller Mark Twain soll einmal gesagt haben: „Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal reimt sie sich.“

Es wird möglicherweise nicht mehr lange dauern, bis die Geschichte uns lehrt, dass sich Donald Trump auf Herbert Hoover reimt.

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