Tagesdosis 28.6.2019 – Jammern auf höchstem Niveau

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https://youtu.be/jWCzP_bXmv0

Den vollständigen Tagesdosis-Text (inkl ggf. Quellenhinweisen und Links) findet ihr hier: https://kenfm.de/tagesdosis-28-6-2019-jammern-auf-hoechstem-niveau/

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Ein Kommentar von Dagmar Henn.

Um Mitleid heischen ist ein normaler Teil des menschlichen Verhaltens. In manchen Fällen fragt man sich allerdings, ob dieses Heischen eher peinlich oder eher lächerlich ist.

Diese Woche gab es ein ganz besonderes Exemplar dieser Kategorie – ein Interview der beiden BMW-Großaktionäre Stefan Quandt und Susanne Klatten.

Sie fühle sich missverstanden, wenn es heiße, die streichen die Dividenden ein, klagte Frau Klatten. Schließlich müsse man sich ständig schützen, und da wäre der in Deutschland so verbreitete Neid.

Ja, die Oligarchen des Kapitals haben es schon schwer im Leben. Es geht ihnen nicht anders als den Fürsten früher, die nach Zuchtbuch heiraten und ihr Leben in zugigen Schlössern verbringen mussten. Und die auch gerne ihr Leid klagten, wie schwer sie an der Verantwortung doch tragen müssten.

Aber betrachten wir einmal, wovon da überhaupt die Rede ist. Das Vermögen dieser beiden Geschwister ist, diese Information liefert das interviewende Manager-Magazin gleich mit, seit dem Jahre 2008 von 11,5 auf 34 Milliarden Euro gewachsen. 34 Milliarden, das sind 34 000 Millionen. Zuletzt erhielten sie darauf eine Dividende von einer Milliarde allein für die Anteile an BMW; das übersetzt sich in Einnahmen in Höhe von fast eineinhalb Millionen für jeden der beiden, pro Tag. Geld, das verkonsumiert werden müsste, wollten sie nicht immer reicher werden. Eineinhalb Millionen am Tag auszugeben, und das 365 Tage im Jahr, das ist schlicht unmöglich.

Diese Beträge muss man in Bezug zu alltäglicheren Summen setzen, um sie faßbar zu machen. Eineinhalb Millionen, das ist beinah fünfmal das Salär der Kanzlerin. Das wäre selbst in der Hochpreisstadt München ein Einfamilienhaus. Es ist so viel, wie die meisten Bewohner dieses Landes in ihrem gesamten Leben nicht verdienen. Jeden Tag.

Die Einnahmen der Manager sind bekannter. Der Vorstandsvorsitzende von BMW erhält acht Millionen Euro im Jahr. In die Welt des Mittelalters übersetzt ist das der Burgvogt; die oberste Kategorie des Dienstpersonals. Seine Chefin hat das sechzigfache dieses Betrages. Das dürfte dann ungefähr noch einmal der Abstand sein, der zwischen einer Putzfrau im Niedriglohn, die sein Büro reinigen darf, und diesem Vorstandsvorsitzenden herrscht.

Nehmen wir ein einfaches Maß menschlicher Gleichheit. Gleichheit herrscht zwischen zwei Menschen, die ehrlich miteinander umgehen, einander beispielsweise ein Arschloch nennen können. (Natürlich macht sich die Gleichheit auch im Positiven bemerkbar, ihre Grenzen werden im Negativen nur schneller kenntlich). Der Abstand zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und der Putzfrau ist groß genug, dass sie ihn nicht mehr Arschloch nennen wird. Gleiches gilt für den Abstand zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und den Eigentümern. Aber wie soll man die Distanz zwischen der Putzfrau und den beiden Oligarchen bemessen? Wenn schon der Abstand zwischen ihnen und der politischen Spitze des Landes so ungeheuerlich ist, dass man nicht lange nachdenken muss, wer beim Kaffeetrinken der Frau Merkel mit Liz Mohn und Friede Springer wem Vorgaben macht?

Der Großvater der beiden erlangte sein Vermögen anfänglich durch den Verkauf von Uniformen im ersten Weltkrieg, war also ein klassischer Kriegsgewinnler; dann setzte er auf Rüstungsindustrie und profitierte noch einmal gewaltig vom nächsten Krieg, Zwangsarbeit und Arisierungen eingeschlossen. Die Interviewer sind natürlich angemessen devot und fragen nicht danach. Als wäre mit den Abgaben an die Stiftung für Zwangsarbeiter alles Blut fortgewaschen…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis-28-6-2019-jammern-auf-hoechstem-niveau/

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