Tagesdosis 25.6.2018 – Freibrief für Kinderdroge Ritalin

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Tagesdosis 25.6.2018 – Freibrief für Kinderdroge Ritalin

Ein Kommentar von Susan Bonath.

Im hochtechnisierten Spätkapitalismus des 21. Jahrhunderts regiert der Stress. Schneller, höher, besser lautet die Devise für moderne Statusakrobaten. Perfekt funktionieren sollen sie als produktiver Teil der ratternden Profitmaschine. Versagen? Gibt´s nicht. Pillen sollen störende Kinder ruhigstellen und integrieren.

Sie sind überfordert von wachsenden Anforderungen, zappeln herum oder träumen, können oder wollen sich nicht im Schulunterricht konzentrieren. Sie passen schlicht nicht ins Schema dessen, was die Gesellschaft für akzeptabel befunden hat: Die Diagnose ADHS – sprich: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung – ist schnell gefällt. Derart psychiatrisch kategorisierte Kinder sollen in Deutschland nun noch schneller mit dem Wirkstoff Methylphenidat behandelt werden. Das empfiehlt eine neue Leitlinie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. Bekannt ist die Droge unter dem Namen Ritalin.

Inmitten der Hysterie um die Fußball-WM ging die Meldung am Wochenende bei Tagesschau und Co. fast unter. Die Auswertung der aktuellen Datenlage habe gezeigt, »dass die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie auf die Kernsymptome der ADHS nicht sicher belegt ist«, zitierten die Medien dazu Tobias Banaschewski vom herausgebenden Institut. Er plädierte dafür, künftig auch Kinder mit einer diagnostizierten mittelschweren ADHS mit Ritalin zu behandeln. Bisher empfahl das Institut dies nur für »schwere Fälle«.

Was Banaschewski verschweigt: eindeutig belegt ist die angebliche Wunderwirkung der Pillen keineswegs. Man weiß, dass Ritalin die Weiterleitung von Signalen durch biochemische Botenstoffe wie Dopamin beschleunigt. Dies sei bei ADHS-Kindern beeinträchtigt, heißt es. Damit wirkt das Medikament ähnlich wie die verbotene Droge Kokain. Kritische Forscher warnen seit langem vor der Gefahr, von Ritalin abhängig zu werden. Wer als Kind mit Ritalin behandelt wurde, könnte später zu Ersatzdrogen greifen.

Der Katalog der Nebenwirkungen der Pillen ist lang: Er reicht von Appetitlosigkeit und Schlafproblemen über Wachstumsstörungen bis hin zu schweren Depressionen beim Absetzen oder Verringern der Dosis. Bis heute weiß man wenig über bleibende Veränderungen im Gehirn durch Methylphenidat. Man ahnt nur: Die Persönlichkeit der Betroffenen dürfte sich nachhaltig verändern…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/

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