Tagesdosis 25.11.2019 – Von Fürsten und Knechten

Tagesdosis 25.11.2019 – Von Fürsten und Knechten

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Ein Kommentar von Dagmar Henn.

Man wird in Deutschland die alte Herrschaft nicht los. Die Nachfahren des Kartätschenprinzen, der einst die Revolution 1848 im Blut ertränken ließ, fordern eine Entschädigung. Und die Tatsache an sich löst kein Entsetzen, keine Empörung aus; nein, die Debatte dreht sich einzig darum, wie behilflich die Herren von und zu Hohenzollern (1) dabei waren, den Gefreiten aus Braunau in den Sattel zu hieven.

Das trifft juristisch zu, mag mancher einwenden. Schließlich geht es um Ländereien und Schlösser, die nach dem zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Zone enteignet wurden, weil sie Unterstützern der Naziherrschaft gehörten. Da das die meisten der dortigen Junker waren, traf diese Einteignung fast die gesamte Klasse, nicht nur die Hohenzollern. Und ja, die Treuhand hat sich viel Mühe gegeben, den meisten dieser adligen Herrschaften ihren Besitz zurückzugeben; wenn das als Rückübertragung nicht ging (weil sie eben die Macht der Nazis gestützt hatten, und die Enteignungen aus diesem Grund durch den Einigungsvertrag festgeschrieben wurden), dann, indem man ihnen für einen Spottbetrag die Güter zurückverkaufte. Klar, dass auch die Hohenzollern als Alphatiere des Rudels da ihr Teil abhaben wollen.

Eine Debatte darüber, wie eifrig sie nun dem Gefreiten die Steigbügel gehalten haben, bleibt aber auf halber Strecke stehen, weil sie so tut, als hätten sie einen Anspruch auf diesen Besitz, wenn dem nicht so wäre. Haben sie das wirklich? Gut, einer ihrer Ahnen hat mit Voltaire Briefe gewechselt; wiegt das die Hektoliter Blut auf, die ihre Untertanen in den unzähligen Kriegen der Preußenherrscher vergießen mussten, macht das vergessen, dass Preußen wie ein Bleimantel auf den deutschen Landen lag und den Geist durch den Kommiß verjagte? ‚Schlaf, mein Kind, schlaf leis‘, heißt es in einem badischen Volkslied (2) aus dem 19. Jahrhundert, ‚da draußen geht der Preuß. Deinen Vater hat er umgebracht, deine Mutter hat er arm gemacht. Und wer nicht schläft in guter Ruh, dem drückt der Preuß die Augen zu. Schlaf, mein Kind, schlaf leis. Da draußen geht der Preuß‘.

Der deutsche Nationalstaat war, als er 1871 aus der Taufe gehoben wurde, ein abscheulicher Zwitter aus Bürgerlichkeit und Feudalmacht, Leibeigenschaft mit eingeschlossen, und der verstümmelten Revolution 1918 gelang es noch immer nicht, den Griff des Adels um den Hals zu brechen; das Volksbegehren zur Fürstenenteignung 1926 scheiterte, und die Blutsauger wurden entschädigt…

Es sind übrigens nicht nur die Fürsten, es sind auch die Kirchen (3), die bis heute staatliche Gelder erhalten, weil ihr Landbesitz säkularisiert, also enteignet und verteilt wurde. Das geschah bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, und bis heute fließen Jahr für Jahr Millionen an Steuergeldern zusätzlich zur Kirchensteuer – also auch aus den Taschen jener, die nicht Mitglied irgendeiner Kirche sind. 460 Millionen Euro sind das jedes Jahr, entrichtet, weil Klöster und Bistümer keine Leibeigenen mehr die Ackerfurchen ziehen lassen dürfen…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis-25-11-2019-von-fuersten-und-knechten/

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Bildhinweis: Viacheslav Lopatin / Shutterstock

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