Tagesdosis 19.12.2017 – Ken Jebsen verteidigt die Demokratie

Eine Rede von Mathias Bröckers anlässlich der Verleihung des Kölner Karlspreises für Engagierte Literatur und Publizistik an den Journalisten Ken Jebsen.

Vom 14.Dezember 2017.

Sehr verehrte Damen und Herren, lieber Ken Jebsen.

„Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“ lautete eine Weisheit des Wilden Westens, die Buffalo Bill zugeschrieben wird. Das Problem, das sie beschreibt, ist allerdings sehr viel älter. Zum ersten Mal im Abendland erzählt Platon davon in seinem berühmten Höhlengleichnis.

Wir sind angekettet in einer Höhle, können nur in eine Richtung schauen und hinter unserem Rücken wirft Feuer ein Licht, vor dem Gaukler bestimmte Gegenstände bewegen, die Schattenbilder an die Wand werfen. Da wir nur diese Schatten sehen können, halten wir sie für die wahrhafte Wirklichkeit. Was würde nun passieren, fragt Platon, wenn einer der Insassen den Höhlenausgang entdecken und entfliehen könnte. Die Sonne würde seine Augen zuerst blenden, aber dann könnte er die eigentliche Welt erkennen – und die Technik der von diesen Gauklern produzierten Schattenbilder verstehen. Wenn er dann aber zurück in die Höhle ginge, um seine einstigen Mitinsassen über das Trugbild aufzuklären, dem sie aufgesessen sind, was würde geschehen? Man würde ihn auslachen und sagen, er hätte von dort oben verdorbene Augen mitgebracht und es gebe keinen Anlass, die Höhle zu verlassen. Wenn er sie nun befreien und hinauf ans Licht führen wollte, was würden sie tun? „Wenn sie seiner habhaft werden, werden sie ihn wirklich umbringen, ganz gewiss!“, heißt es dann bei Platon…

Womit wir wieder bei dem schnellen Pferd sind sowie der Tatsache, dass man sich schlechter Nachrichten seit jeher gerne mit der Beseitigung ihrer Überbringer entledigen wollte. 2500 Jahre nach Platons Höhle, 250 Jahren nach der Aufklärung und der Erklärung universeller Menschenrechte, läuft das in der Regel, aber nicht mehr ganz so wie im Wilden Westen…

Wo Meinungs- und Pressefreiheit herrschen, können die Überbringer von Nachrichten nicht mehr einfach umgebracht werden; was aber nicht heißt, dass Nachrichten, die den Mächtigen nicht passen, frei und ungehindert durchdringen können. Schon gar nicht können sie ohne Weiteres in die Wiederholungsschleifen der großen Nachrichtenmedien gelangen und die Massen erreichen. Dorthin gelangen nur Nachrichten, die zuvor durch diverse Instanzen gereinigt und gefiltert sind – von Spin-Doktoren, Agenturen, Redakteuren…

Insofern sitzen wir als Medienkonsumenten 2500 Jahre nach Platon irgendwie noch immer in einer Höhle, die zwar nicht mehr mit Schattenspielen, sondern mit vielen High-Tech-Kanälen und Displays operiert – aber noch immer sind da diese „Gaukler“, wie Platon sie nannte, die eine Lightshow mit Simulationen und Phantomen produzieren. Bezahlt werden sie von Werbetreibenden, die den Insassen ihre Produkte schmackhaft machen, und der Platz zwischen den Werbeblöcken wird mit sogenannten Nachrichten und Unterhaltung gefüllt. Dieses Geschäftsmodell der Presse, den Platz zwischen der bezahlten Werbung mit „Informationen“ zu füllen, sorgte seit jeher dafür, dass wirklich unabhängige Berichterstattung nur in sehr begrenztem Rahmen möglich war. Zumal, wenn sie Hinweise darauf enthielt, dass die von den Gauklern gezeigten Schattenspiele gar nicht der eigentlichen Realität entsprechen. Da man die Überbringer solcher Nachrichten, die das Geschäftsmodell und das ganze System der „Höhle“ sabotieren, nicht mehr einfach umbringen kann, greift man heutzutage auf eine bewährte Methode zurück, sie zumindest mundtot zu machen: den Rufmord.

Und damit sind wir beim Preisträger des heutigen Abends, bei Ken Jebsen und KenFM als Inkarnation eines versuchten Rufmords, der nach hinten losgegangen ist wie kaum ein anderer in jüngster Zeit…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/

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