Tagesdosis 17.4.2018 – Rote Linien

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Video-Link: http://youtu.be/RGDqQHeuMa4

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Als „Déjà-vu“ werden Situationen bezeichnet, von denen man glaubt, sie genau so schon einmal erlebt zu haben. Und ein solches Erlebnis konnte man am vergangenen Wochenende haben, als die Nachrichten von den Bombenangriffen auf Syrien eintrafen. Blenden wir kurz fünf Jahre zurück:

Im August 2013 stehen die Truppen der USA, Englands und Frankreichs kurz davor, mit Bombardements in den syrischen Konflikt einzugreifen, weil nach mehreren Giftgaseinsätzen, die der Assad-Regierung zugeschrieben wurden, laut Präsident Obama eine »rote Linie« überschritten war. Nachdem am 21. August in der Stadt Ghuta erneut mehrere hundert Zivilisten durch den Einsatz chemischer Waffen ums Leben gekommen waren, setzte Obama den Termin des Bombenangriffs auf den 2. September fest, England verlegte ein U-Boot und Kampfflugzeuge nach Zypern, eine Staffel der französischen Luftwaffe wurde in Bereitschaft versetzt. Ohne Frage wäre es zu diesem Angriff auf Damaskus gekommen – der US-Präsident hatte ihn sogar schon öffentlich angekündigt. Dass er im letzten Moment abgewendet wurde, verdankte sich einem russischen Agenten, der dem britischen Geheimdienst MI-6 ein Muster des in Ghuta verwendeten Giftgases zukommen ließ – samt eines vertrauenswürdigen Belegs, dass dieses nicht aus russischen Beständen stammte und daher auch nicht im Arsenal von Assad gewesen sein konnte. Nachdem die Chemiker des MI-6 dies geprüft hatten, funkten sie eilig nach Washington: »Wir wurden reingelegt!«

Wie dies geschah, deckte der investigative Reporter Seymour Hersh dann einige Monate später auf: In einer klassischen »False-Flag-Operation« hatten die »Rebellen« selbst das Giftgas eingesetzt. Die Kampfstoffe stammten aus der Türkei und waren auf der von der CIA eingerichteten »Rattenlinie« zur Versorgung der Aufständischen nach Syrien gebracht worden. Mit dem von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien ausgeheckten Plot sollten die Großmächte in den Konflikt hineingezogen werden, was Russland verhinderte und danach einen Deal mit Assad aushandelte, sämtliche syrische Chemiewaffen zu vernichten – was unter Aufsicht der zuständigen UN-Kommissionen auch geschah.

Doch das Auffliegen der Geschichte und die Beweise, dass 2013 nicht der »Schlächter« Assad Chemiewaffen einsetzte, sondern die vom Westen eingeschleusten islamistischen Söldner, änderte rein gar nichts – und im Frühjahr 2018 kommt es zum „Déjà-vu“, und wieder ist dauernd von „roten Linien“ die Rede:

– am 4. März werden Sergey und Julia Skripal in England angeblich mit einem Nervengift angegriffen

– am 6. März macht Englands Außenminister Johnson Russland dafür verantwortlich

– am 7. März kommt der saudische Kronprinz Bin Salman zu einem offiziellen Besuch nach London

-am 13. März berichtet der russische Generalstab, dass aus Syrien Geheimdiensterkenntnisse über die Vorbereitungen zu einem Chemiewaffen-Anschlag vorliegen, die eine Begründung für Bombenangriffe auf Damaskus liefern sollen

– am 19. März ist der saudische Kronprinz Bin Salman auf Staatsbesuch in Washington

– am 8. April trifft Bin Salman zu einem offiziellen Besuch in Paris ein

– am 9. April behauptet die von den Saudis finanzierte Dschihadisten-Truppe “Jaish al Islam“ und ihre  von England finanzierte Sanitäter-Truppe, die “White Helmets“, dass in ihrer Enklave in Duma ein Chemiewaffenangriff  der syrischen Armee stattgefunden habe.

– am 11. April bekundet Saudi Arabien Unterstützung für einen Angriff auf Syrien. Trump twittert vom „Animal Assad“

– am 12. April trifft eine Delegation der internationalen Chemiewaffenkontrollbehörde ein, die untersuchen soll, ob ein Giftgasangriff in Duma stattgefunden hat. Doch noch bevor sie ihre Untersuchung aufnehmen kann wird Syrien

– am 14. April mit  über 100 amerikanischen, britischen und französischen Raketen bombardiert…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/
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