Tagesdosis 16.12.2019 – Die Hydra des Kapitalismus

Den vollständigen Tagesdosis-Text (inkl ggf. Quellenhinweisen und Links) findet ihr hier: https://kenfm.de/tagesdosis-16-12-2019-die-hydra-des-kapitalismus/

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Ein Kommentar von João Romeiro Hermeto.

Tragödien wie Heiner Müllers Theaterstück „Die Hydra“ oder unlängst der Spielfilm „Joker“ stellen soziale Desintegration als Fiktion dar. Längst sind solche Vorstellungen ökonomische und gesellschaftliche Realität geworden, während der „freie Kapitalismus“ selbst zur Fiktion verkommt. Anhand künstlerischer, journalistischer und sozialwissenschaftlicher Beispiele wirft der Autor Licht auf die gegenwärtigen kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Derart ausgeleuchtet, taucht eine Praxis auf, die sich drastisch von dem unterscheidet, was uns täglich versprochen wird.

Das Monster Hydra

„Sollte es eine griechische Erzählung darstellen?“, dachte ich mir, als ich neulich das Theaterstück Die Hydra (1) in den Kammerspielen (Bochum) sah. Wenn der Text des Dramatikers Heiner Müller einen Prozess erörtert, indem die Herakles‘ Suche nach dem Monster Hydra tatsächlich einen Weg zu sich selbst — nämlich zu seinem Verhältnis zur Welt darstellt — ist das Prosastück in seiner modernen Inszenierung durchaus treu der griechischen Auffassung geblieben. Dennoch ging sie weit über das klassische Verständnis hinaus, weil der Weg zu sich selbst beziehungsweise das Verhältnis zur Welt in der Gegenwart ein eigentümliches Verhältnis ist. Dies ist keine idealistische, subjektive, ahistorische, kontextlose Erkenntnis der Welt, sondern die konkrete Gegebenheit der immanenten, faktischen Objektivität.

György Lukács beschreibt die ontologische Priorität des Seins über das Bewusstsein wie folgt:

„Die Autos auf der Straße können erkenntnistheoretisch sehr leicht als bloße Sinneseindrücke, Vorstellungen et cetera erklärt werden. Trotzdem: Wenn ich von einem Auto überfahren werde, so entsteht doch nicht ein Zusammenstoß zwischen meiner Vorstellung über das Auto und meiner Vorstellung über mich selbst, sondern mein Sein als lebender Mensch wird von einem seienden Auto seinsmäßig gefährdet“ (2).

Das Theaterstück verweist einerseits auf das Anhäufen der Sachen, der Waren, des Besitztums. Andererseits entsteht eine soziale Disruption durch die Entgesellschaftung, die Atomisierung und das Verfallen in der Nichtigkeit des Einzelnen — aber keineswegs des Individuums, das nur durch die und innerhalb der Gesellschaft existieren kann — und Stummheit. Das Gespräch wird zum Monolog. Die Gemeinde erscheint als die Summe vereinsamter Wesen, ein Purgatorium — ein Fegefeuer — seelenloser Seelen.

Joker, der Anarcho-Clown

Dann fiel es mir ein: Fünf Tage zuvor hatte ich den Film Joker (3) gesehen. Das, was wahrscheinlich viele Zuschauer als eine Art Fiktion betrachten, ist stattdessen unter den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen fast eine Dokumentation der gegenwärtig bürgerlichen Gesellschaft: Die vollkommene Negation der Politik durch die vollendende Gestalt des Kapitalismus als ein Ungeheuer, einem Krebsgeschwür gleich, dessen einzige Moral es ist, an sich und in sich unaufhörlich, hemmungslos zur Unendlichkeit zu wachsen, aber nicht für sich — es hat keinen Willen, bewegt sich wie ein Automat.

Kapitalistische Anarchie der Linken und der Rechten

Der klassisch politische Links-Rechts-Unterschied existiert nicht mehr, sondern bloß ein Anarcho-Medaillon:…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis-16-12-2019-die-hydra-des-kapitalismus/

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildhinweis: rudall30 / Shutterstock

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