Tagesdosis 14.11.2017 – Hallo “Jamaica”: Bitte Bio-Hanf statt Designer-Junk!

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

Die Berliner Polizei warnte am Wochenende einmal mehr vor sogenannten “legal highs” – Käutermischungen, denen  hochgiftige Chemikalien beigemischt sind und die derzeit unter dem Namen ”Bonsai” für 5 Euro in Berlin verstärkt angeboten würden. Bei den Beimischungen handelt es sich um synthetische Cannabinoid-Abwandlungen, die Ohnmacht, Krämpfe, Herzprobleme und schwere Übelkeit hervorrufen können und schon zu Todesfällen führten. Ähnlich wie bei der schon vor einigen Jahren bekannt gewordenen Designer-Droge “Spice” docken diese synthetischen Stoffe an den Cannabinoid-Rezeptor im Gehirn an und produzieren eine ähnliche Wirkung wie Cannabis – allerdings mit den oben genannten schweren Nebenwirkungen, die bei natürlichem Cannabis nicht vorkommen. Zudem ist die Dosierung und Wirkung dieser Substanzen, die in Mischungen mit allen möglichen Kräutern angeboten werden, nicht kalkulierbar, was dazu führt, dass schon ein einziger Zug aus einem solchen “K.O.-Joint” zur Ohnmacht führen kann.

Wer zieht sich so etwas rein ? Abgesehen von irgendwelchen “Druffis”, denen es völlig egal ist, mit was sie sich gerade die Birne wegknallen, freiwillig wohl niemand. Wenn es sich dennoch so weit verbreitet, dass Polizei und Rettungsstellen Alarm schlagen, haben wir ein Problem,  und die vielen Antworten auf die Facebook und Twitter-Postings der Polizei zeigen, dass die Lösung durchaus bekannt ist – bei den Leuten und der Bevölkerung, nicht aber bei den Verantwortlichen der Politik. Wer die Gefahren von unkalkulierbaren, synthetischen Designer-Drogen abwehren will, darf ungefährlichere natürliche Drogen wie Hanf nicht illegalisieren. Es sei denn, er ist immer noch dem Wahn verfallen, mit Strafrecht und Polizei eine “drogenfreie Gesellschaft” durchzusetzen. Dass diese Leitlinie des “war on drugs” mehr Opfer produziert als rettet und jede vernünftige Drogenpolitik sich um Schadensminderung zu kümmern hat, statt um die illusorische Beseitigung sämtlicher Drogen – diese Einsicht beginnt sich immer noch zu langsam durchzusetzen.

Neuerdings klingt aber in den Kommentaren zu den Sondierungen der “Jamaica”-Koalition an, dass ein mögliches Ergebnis der Verhandlungen die Entkriminalisierung von Cannabis sein könnte. Weil man den Grünen und der FDP, die an anderen Stellen große Kompromisse machen, irgendetwas Vorzeigbares für ihre Klientel überlassen muss, könnte man ihren Liberalisierungs-Forderungen in Sachen Hanf nachgeben. Ein Verkauf über Apotheken, wie ihn sich FDP-Chef Lindner vorstellt, scheint dabei aber keine wirklich gute Lösung. Seit Anfang 2017 können ja Patienten schon auf Rezept medizinische Hanfblüten aus der Apotheke beziehen, allerdings zu Preisen, die deutlich über denen in anderen Ländern liegen – und auch deutlich über denen des Schwarzmarkts. Nur sehr betuchte Partygäste werden also zwecks Stimmungsaufheiterung die Nachtapotheke besuchen und sich für 25 Euro ein Gramm Gras kaufen – für Freizeitkonsumenten scheint das Apotheken-Modell  also noch keine wirkliche Lösung, um Gefahren durch Designer-Junk wie “Bonsai” abzuwenden.

Wenn bei den nun anstehenden Koalitionsverhandlungen als Nebeneffekt tatsächlich die längst überfällige  Entkriminalisierung der Hanfpflanze herausspringen sollte, müsste deshalb zu allererst und jenseits aller sonstigen Regulierungen der private Anbau  für den Eigenbedarf gestattet werden. In den US-Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben und auch schon in einigen europäischen Ländern hat man damit gute Erfahrungen gemacht und es wird höchste Zeit, dass auch in Deutschland die Polizei nicht mehr für Grünzeug ausrücken muss, sondern gegen echte Kriminelle vorgehen kann….weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/

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