Selbes Ziel, anderer Weg

Nahost-Korrespondentin Karin Leukefeld im Videogespräch nach Damaskus zu den aktuellen Verhandlungen über Syriens Chemiewaffen und die weiter gültigen politischen Ziele der USA in der Region.

weltnetz.tv: Was hat die US-Regierung dazu bewogen, nun diesen Weg einzuschlagen? Ist das überhaupt ein neuer, ein diplomatischer Weg hin zu einer politischen Lösung oder ist die Abrüstung Syriens gewissermaßen eine diplomatische Kriegsvorbereitung?

Karin Leukefeld: Die Zeit wird zeigen, wohin das führen wird. Ich denke, als erstes muss man feststellen, dass dem US-Präsidenten klar geworden ist, das seine Linie weder im eigenen Land, noch bei den Vereinten Nationen, noch bei seinen Bündnispartnern, noch überhaupt in der Weltöffentlichkeit Zustimmung gefunden hat. Es gab ganz deutlich und sehr viele Stimmen gegen einen militärischen Angriff auf Syrien. Daher hat er erstmal Abstand davon genommen. Das heißt nicht, dass er ihn aufgegeben hat, das glaube ich nicht.
Aber eine wichtige Stimme gegen einen Militärschlag war sicherlich auch, dass das US-Militär sich eindeutig dagegen ausgesprochen hat. Eine Umfrage im US-Militär hat ergeben, dass eine große Prozentzahl, weit über 60 Prozent, gegen ein militärisches Eingreifen in Syrien sich ausgesprochen hat. Und ich glaube, gegen so einen massiven, öffentlichen Widerstand ist es sehr schwierig für einen US-Präsidenten – zumal er ja auch noch den Friedensnobelpreis bekommen hat – einen solchen Kriegsschlag durchzuführen.
Die Vorgehensweise mit der Abrüstung der Chemiewaffen ist sicherlich etwas, was Syrien vor allem sehr entgegen kommt. Das ist etwas, was die USA, aber auch Israel und Europa ja schon lange Zeit wollten. Aber auch der Iran wollte unbedingt diese Abrüstung von Chemiewaffen – als Schritt hin zu einer Region, wo es keine Massenvernichtungswaffen mehr gibt. Dafür gab es sehr viele politische Initiativen in der Vergangenheit. Und daher ist das eigentlich, was man im Neudeutsch vielleicht als eine Win-Win-Situation bezeichnen könnten: also der US-Präsident steht besser da als vorher und für Syrien und für die Region ist das auf jedenfall auch ein richtiger Schritt. Aber ich denke nicht, dass die US-Regierung grundsätzlich Abstand nimmt von den Zielen, die sie offensichtlich hier in Syrien verfolgen: Schwächung der derzeitigen Regierung, Schwächung der syrischen Wirtschaft und durch eine Destabilisierung will der Westen sicherlich versuchen, mehr Einfluss hier in der Region zu bekommen.

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