RUBIKON: Aktion: „Wir sind Rubikon!“ (Jens Lehrich)

RUBIKON: Aktion: „Wir sind Rubikon!“ (Jens Lehrich)

Wir sind Rubikon!

Jens Lehrich, das „Gesicht des Rubikon“, berichtet von der Arbeit im Rubikon-Team um bittet um Ihre Mithilfe.

von Jens Lehrich

Geld ist nicht alles. Unser Autor hat dies in einer Lebenskrise schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Dennoch ist es falsch, was man in der „Szene“ manchmal zu hören bekommt: Idealisten müssten grundsätzlich alles umsonst machen, sondern wäre ihr Idealismus nur geheuchelt. Von uns wird in absehbarer Zeit niemand in Geld schwimmen, aber es wäre ungerecht, dem Rubikon-Team nicht einmal einen Bruchteil der finanziellen Ermutigung und Absicherung zuzugestehen, die die Mitarbeitern der „Qualitätspresse“ für sich in Anspruch nehmen. Und es wäre obendrein kurzsichtig. Denn der weltanschauliche Gegner — finanziell meist üppig ausgestattet — würde seine Arbeit dann mit mehr Rückenwind machen und länger durchhalten als wir. Das darf nicht sein. Deshalb bittet Jens Lehrich, das „Gesicht des Rubikon“, um Ihre Mithilfe.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Beschäftigung mit Geld ist schon immer eines meiner liebsten Themen gewesen. Schon im zarten Alter von sechs Jahren habe ich damals in meiner Heimatstadt Bad Salzuflen im Sommer mein Taschengeld in einen Eisportionierer und eine Zwei-Liter-Packung Vanilleeis investiert, um es dann für den doppelten Preis in meiner Familie und in der Nachbarschaft wieder zu verkaufen. Kaum 18 Jahre alt, habe ich für eine Spedition in den Sommerferien sechs Wochen einen kleinen LKW quer durch Deutschland gefahren und satte 20 D-Mark Stundenlohn für diesen ungewöhnlichen Schülerjob kassiert, um am Ende alles wieder in eine der ersten portablen Videokameras zu investieren.

Ich wurde 1970 in Lemgo geboren und bin unter Umständen aufgewachsen, die Geld als eines der obersten Ziele des Lebens vermittelt haben: Menschen, die Geld hatten, waren für meine Familie gute Menschen, Menschen ohne Geld nicht so sehr. Nicht etwa, dass wir selbst so viel gehabt hätten. Es war nur eine Lebensanschauung, besonders die meiner Mutter, die als Nachkriegskind mit viel Geld und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Status vor allem viel Sicherheit und somit großes Lebensglück in Verbindung brachte.

Mein unterbewusster Plan — wie konnte es anders sein — war es also, schon früh viel Geld zu verdienen, um besonders geliebt und anerkannt zu sein. Und wenn ich es nicht verdiente, dann versuchte ich, bei den Banken Kredite zu bekommen, um mein hohes Konsumniveau und die damit verbundene luxuriöse materielle Grundausstattung aufrechterhalten zu können. Nur knapp entkam ich 2005 dem wirtschaftlichen Totalkollaps.

Durch einen Schicksalsschlag fünf Jahre später änderte sich mein Leben dramatisch, als hätte mir eine unsichtbare Hand als Faust geballt ins Gesicht geschlagen, um mir zu sagen: „Wach endlich auf, Geld ist niemals wahres Glück!“ — Das ausschließlich materielle Streben ist ein Irrweg, der geradewegs ins Unglück führt.

Ich habe die deutliche Botschaft damals verstanden. Zwar freue ich mich auch heute noch über Geld, aber ich kenne nun den Unterschied, was es bedeutet, sich glücklich zu kaufen oder tatsächlich glücklich zu sein.

Dazu gehört auch meine Arbeit als Moderator und Redakteur für den Rubikon, die ich von Herzen gerne tue, für die ich nur eine Art Aufwandsentschädigung erhalte und dennoch viel Zeit und Leidenschaft hineingebe. Video-Gespräche, wie mit dem Krebsforscher Lothar Hirneise oder dem Historiker Hannes Hofbauer, dem Philosophen Bertrand Stern oder der Traumaexpertin Birgit Assel oder eine Ausgabe der Guten Nachrichten, kosten viel Zeit und auch Geld. Aber ich investiere beides trotzdem gern, weil es bei den alternativen Medien grundsätzlich nicht darum geht, sich die Taschen zu füllen, sondern etwas Sinnvolles zu tun, das anderen Menschen den Horizont erweitert und ihnen durch einen neuen Blickwinkel in kritischen Lebenssituationen möglicherweise sogar hilft.

Natürlich gibt es auch die notorischen Nörgler in den Kommentarspalten, die in ihrer Selbstgerechtigkeit meinen, freiwillige Arbeit dürfe gar nichts kosten, sonst würde da sicher etwas nicht stimmen. Denen möchte ich freundlich entgegnen:

Erstens kann es nicht sein, dass unsere engagierten Autorinnen und Autoren nicht nur nichts verdienen, sondern am Ende auch noch ihre Reise- und Infrastrukturkosten aus eigener Tasche bezahlen. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass es immens wichtig ist, besonders Friedensprojekte wie den Rubikon mit ausreichend Geld auszustatten, um dem durch Gebühren und Werbung finanzierten Mainstream eine starke Alternative gegenüberstellen zu können.

Und dafür ist jeder und jede von uns mitverantwortlich — die bessere Welt entsteht nicht durch Passivität. Und auch nicht daraus, dass andere die Welt „alleine retten“, man selbst aber nur passiv konsumiert.

Weiterlesen: https://www.rubikon.news/artikel/wir-sind-rubikon-2

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