Reporter im Krieg

Wenn eine Nation in den Krieg zieht, liefern sich Medien und Militärs oft harte Kämpfe um Zugang und Zensur – und letztlich um die Wahrheit. Regierungen appellieren an den Patriotismus ihrer Bürger, denn sie brauchen deren Unterstützung. Aber wie ist das bei den Medien? Welche Rolle sollte Patriotismus bei der Kriegsberichterstattung spielen?

Längst fühlen sich Teile der Medien nicht mehr einem unparteiischen Journalismus verpflichtet. Chris Cramer von CNN International bezeichnet dies als “fremdenfeindlichen, chauvinistischen Fähnchen schwenkenden Journalismus”. Doch manche haben damit Erfolg, wie Fox News im letzten Golfkrieg.

Im Verlauf der Weltgeschichte wurden Patriotismus und Chauvinismus als übersteigerten Nationalismus oft verwechselt. Im Zweiten Weltkrieg stellten nur wenige, die auf der Seite der Alliierten berichteten, die Rechtmäßigkeit der Kämpfe in Frage.

Während des Vietnam-Kriegs war es von vornherein kein Problem, mit dem US-Militär zusammenzuarbeiten. Offiziell war es nämlich überhaupt kein Krieg, da die Vereinigten Staaten Nord-Vietnam tatsächlich niemals den Krieg erklärt hatten und somit das Pentagon laut Verfassung gar kein Recht hatte, den Journalisten eine Zensur aufzuerlegen.

Wenn allerdings Kriegsreporter etwas schrieben, was die Politiker und die Militärs nicht lesen wollten, konnten ihnen durchaus Repressalien drohen. Das Militär war schließlich auch der Meinung, es wäre Schuld der amerikanischen Presse gewesen, das die Vereinigten Staaten diesen Krieg verloren hatten. Als sich Panama, Grenada und dann der Irak abzeichneten, hatten viele dieser Militärs entschieden, die Presse von den Kampfhandlungen fernzuhalten.

Doch es waren die Briten, die als Erste die so genannte Vietnam-Lektion in die Tat umsetzten: 1982 im Falklandkrieg. Für das Militär und wohl auch für die Politik war der Falklandkrieg – durch die strenge Zensur – ein beinahe ideales Modell. In den nächsten Kriegen, in die Amerika verwickelt war, griff es darauf zurück.
1991 – der zweite Golfkrieg.

Über 1.600 Journalisten berichten über den Konflikt. 400 von ihnen dürfen sogar in das Einsatzgebiet, allerdings müssen sie sich einem so genannten Nachrichtenpool anschließen, der von 150 militärischen Presseoffizieren überwacht wird. Nicht ein einziger Reporter darf bei den Truppen sein. Es sollte das letzte Mal sein, dass die Medien so streng überwacht wurden.

Als nämlich der dritte Golfkrieg vorbereitet wurde, erkannte man, dass diese Strategie zum Scheitern verurteilt war.

Doch im “Informationskrieg” von 2003 ist es schwierig geworden, über die Realität des Krieges zu berichten. Was gezeigt wurde, sind Helden in Uniform und schwere Artillerie. Die andere Seite wurde nicht gezeigt: verstümmelte Zivilisten und sterbende Soldaten. Der Krieg erscheint so wie ein großes Videospiel und eine nahezu verlustlose Methode, Differenzen beizulegen. Das ist ungeheuer gefährlich und von Grund auf unwahr. Reporter im Krieg?

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