Projekt „Bärensuppe“: Eine Begegnung zwischen Elias Tsolakidis und Bilbo Calvez

Ohne es zu wissen, beschreitet Elias Tsolakidis mit großen Schritten den Weg einer Gesellschaft, die komplett ohne Geld und Finanzen auskommt. Nur ist dies nicht die Priorität seines Vorhabens. Ihm geht es in erster Linie darum, seinen Mitmenschen in Griechenland zu helfen. Ihm geht es um Gerechtigkeit und auch darum, absurde Situationen zu verändern. Elias begann im Jahre 2007, sich zu engagieren, um den Berg Olymp vor möglichen Waldbränden zu schützen. Er selber wohnt einen Steinwurf vom Olymp entfernt, in einer kleinen Stadt namens Katerini im Norden Griechenlands.

Die für diesen Anlass gegründete Bürgerinitiative „O Topos Mou“, zu deutsch „Mein Ort“, wurde über die Jahre immer aktiver. Jetzt, in der Zeit der Krise, ist dieses Projekt zunehmend wichtig für die Menschen, die am meisten unter der Krise leiden. Elias erzählt uns am Strand zunächst von der Entstehung, den Erfolgen und der Zukunft des Projektes, bevor er berichtet, wie freie Kooperation und geldlose Gesellschaft in der Praxis bei ihm funktioniert.

Was macht man mit Menschen, die die Unterstützung und das Gegebene für selbstverständlich betrachten und nicht im geringsten wertschätzen? Den spendierten Reis wegschmeissen, weil sie keinen mögen, anstatt ihn an jemand anderen weiter zu verschenken? Menschen, die zu spät oder gar nicht kommen, die Verantwortung nicht übernehmen wollen? Menschen, die nur nehmen, kaum aber geben wollen? Gibt es Menschen, die niemals in einer freien Gesellschaft funktionieren würden? Könnte es sein, dass diese Menschen nicht mitmachen, weil, oder solange sie bei der Entstehung der Regeln nicht mitwirken dürfen? Weil sie misstrauisch sind? Wie könnte man diese Menschen öffnen? Geht das überhaupt?
Elias ist kein Sozialarbeiter. Er denkt nur praktisch. Wo Not am Mann ist, setzt er simple Ideen im Kollektiv um. O Topos Mou ist ein Prototyp für eine neue Gesellschaft, die sich von Konkurrenz abgewendet hat, um wieder verstärkt zu kooperieren. Not macht erfinderisch. So betrachtet ist die Krise in Europa eine Chance.

Dieses Gespräch ist Teil des Kunstprojektes „Die Bärensuppe“.
Die Auseinandersetzung mit der Vision einer geldlosen Gesellschaft, genauer beschrieben einer dezentralen, nicht monetären Open-Source-Anarchie, bildet den Kern des Projektes.

Die Suppe, der Topf, das Zusammenkommen an einer sozialen Feuerstelle ist dabei die Metapher für eine Gesellschaft, die wieder Empathie statt Ellbogen zum Ziel hat. In die Bärensuppe gibt man, was man will und kann. Herausnehmen darf man, was man braucht und möchte. Gezählt, verglichen oder bewertet wird nicht. Alle „essen“ von der gleichen Suppe, also soll sie schmecken und sie soll für alle ausreichend hergeben. Es geht um das Wiederentdecken des Urvertrauens und um das Erfahren, dass wir alle in unserem tiefsten Inneren miteinander verbunden sind, auch wenn wir es vergessen haben.

Das Projekt „Die Bärensuppe“ besteht zuerst aus einem visuellen Anteil, Interviews mit Menschen, die anders mit Geld umgehen als gewöhnlich. Pioniere dieser in den Augen vieler dringend notwendigen Wende, oder Menschen, die durch ihr Handeln diese Transition ankündigen, vorbereiten, einleiten oder schon leben.
Der andere, analoge Teil, in Form einer Kunstausstellung, ist für September 2016 in der Planung. Die Besucher werden durch das Agieren in zwei interaktiven Installationen dazu geführt, sich dem Impact des Geldes in ihrem eigenen Leben bewusst zu werden. Die interaktive Hauptinstallation, in dem geldlosen Bereich des Ausstellungsortes, wird den Besuchern die Möglichkeit geben, gegenseitiges Vertrauen zu beobachten und dieses auch selbst zu üben.
Die Ausstellung soll darüber hinaus einen schützenden Rahmen bieten, wo man sich mit diesem Thema, was allergische Reaktionen bei den meisten Menschen auslöst, in Ruhe annähern kann.

Das Gespräch wurde am 27. Oktober 2015 in Griechenland aufgezeichnet.

• http://www.baerensuppe.berlin
• http://www.bilbo.calvez.info/publik_privat/Buch.html
• https://www.youtube.com/watch?v=j4vtI_A8V-g

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