Projekt „Bärensuppe“: Eine Begegnung zwischen Alicia und Bilbo Calvez

„ ‚Wie soll eine Gesellschaft ohne Geld entstehen? Die Reichen wären schließlich nicht bereit, sich von ihrem Geld zu trennen!‘
Dieser Einwand ist berechtigt. Aber noch interessanter ist die Frage: ‚Werdet IHR bereit sein, EUER Geld abzugeben?‘

In der Kommune in der Nähe von Kassel habe ich Alicia getroffen. Wer in dieser Kommune einsteigen möchte, muss sein gesamtes Vermögen der Kommune geben.
Diese Kommune funktioniert intern ohne Geld. Wenn ich ohne Geld meine, geht es nicht um „eine Hand wäscht die andere“, sondern um ein bedingungsloses Miteinander. Es wird weder verglichen noch gezählt. Jeder bringt mit was er kann und benutzt was er braucht.

Das klingt doch total utopisch? Ja, erstmal schon. Vor allem, wenn es großflächig sein soll. Wie soll es gehen, wenn es sich nicht um 50 besonders ‚intelligente‘ und emphatische Menschen handelt, sondern um Millionen ‚normale‘?

Wenn es sich um eine Kommune handelt und sich jeder kennt, kann man es sich eventuell noch vorstellen. Die Probleme, die entstehen, bleiben übersichtlich und sie können direkt von Angesicht zu Angesicht gelöst werden.

Eine einzelne Kommune kann jedoch niemals komplett autark sein. Für komplexere Bedürfnisse und aufwendigere Anschaffungen müssen weitere Netze gebildet werden. So wie Zellen, die zusammen ein Organ bilden; mehrere Organe einen Organismus und mehrere Organismen eine Gesellschaft.

Noch müssen diese Kommunen mit Geld handeln, weil der Rest der Welt weiterhin monetär funktioniert. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Weg hin zu einer geldlosen Gesellschaft nicht von Oben, sondern von Unten stattfinden muss. Dass man sich so organisiert, dass man das Geld von den Reichen nicht mehr braucht und nicht mehr annimmt. Also autark werden, unabhängig von der Macht von Konzernen, Regierungen und Banken.

Vor einem knappen Jahr habe ich im Internet nach solch einer Kommune gesucht. Und fand jene Kommune in der Nähe von Kassel, die ich als besonders empfand. Besonders, weil deren Richtlinien einerseits radikal sind, und zugleich sehr undogmatisch. Vor allem funktionieren sie ohne Hierarchie, also nach Konsens. Im Grunde wird Anarchie im kleinen Rahmen ausgeübt. Anarchie, ein Wort, das leider in Verruf geraten ist, obwohl das Wort nur bedeutet, dass es keinen Chef gibt.

In dieser Kommune habe ich Alicia getroffen und versucht, herauszufinden, wie es ist, in so einem Projekt zu leben, und bin nach dem Interview von dem Projekt noch mehr begeistert als zuvor! Lasst euch inspirieren!“
– Bilbo Calvez

Dieses Gespräch ist Teil des Kunstprojektes „Die Bärensuppe“.
Die Auseinandersetzung mit der Vision einer geldlosen Gesellschaft, genauer beschrieben einer dezentralen, nicht monetären Open-Source-Anarchie, bildet den Kern des Projektes.

Die Suppe, der Topf, das Zusammenkommen an einer sozialen Feuerstelle ist dabei die Metapher für eine Gesellschaft, die wieder Empathie statt Ellbogen zum Ziel hat. In die Bärensuppe gibt man, was man will und kann. Herausnehmen darf man, was man braucht und möchte. Gezählt, verglichen oder bewertet wird nicht. Alle „essen“ von der gleichen Suppe, also soll sie schmecken und sie soll für alle ausreichend hergeben. Es geht um das Wiederentdecken des Urvertrauens und um das Erfahren, dass wir alle in unserem tiefsten Inneren miteinander verbunden sind, auch wenn wir es vergessen haben.

Das Projekt „Die Bärensuppe“ besteht zuerst aus einem visuellen Anteil, Interviews mit Menschen, die anders mit Geld umgehen als gewöhnlich. Pioniere dieser in den Augen vieler dringend notwendigen Wende, oder Menschen, die durch ihr Handeln diese Transition ankündigen, vorbereiten, einleiten oder schon leben.

Der andere, analoge Teil, in Form einer Kunstausstellung, ist für September 2016 in der Planung. Die Besucher werden durch das Agieren in zwei interaktiven Installationen dazu geführt, sich dem Impact des Geldes in ihrem eigenen Leben bewusst zu werden. Die interaktive Hauptinstallation, in dem geldlosen Bereich des Ausstellungsortes, wird den Besuchern die Möglichkeit geben, gegenseitiges Vertrauen zu beobachten und dieses auch selbst zu üben.
Die Ausstellung soll darüber hinaus einen schützenden Rahmen bieten, wo man sich mit diesem Thema, was allergische Reaktionen bei den meisten Menschen auslöst, in Ruhe annähern kann.

Das Gespräch mit Alicia wurde am 2. Mai 2015 in Hessen aufgezeichnet.

Weiterführende Links:
http://www.baerensuppe.berlin
http://www.bilbo.calvez.info/publik_privat/Buch.html
https://www.facebook.com/groups/1432650360282037/

KenFM.de

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