Pharmaindustrie instrumentalisiert Ärzte für Marketing

Fortbildungen für Ärzte im Zeichen der Industrie? Können Pharmahersteller für ihre Produkte werben? “Die Pharmaindustrie verfolgt mit ihrer Internetfortbildung ihre eigenen Interessen”, sagt Wolf Dieter Ludwig vom “Arzneimittelbrief”. Oft würben Hersteller “mehr oder weniger indirekt” für ihre Wirkstoffe.

Nachtrag zum Tonfehler bei 2:28: “In dem Fortbildungsportal EuMeCom wird der Wirkstoff Strontiumranelat vollmundig angepriesen. Er senke das Risiko für Knochenbrüche dramatisch.” Weiter mit W. Becker-Brüser: “Es wird nicht gesagt, wie gefährlich das Mittel ist. Das heisst, es wird verschwiegen, dass lebensgefährliche Trombosen, Tromboebolien, Lungenembolien passieren können.”

Hier wirkten Experten, “die ihre Interessenkonflikte nicht deklarieren. Das wird verbunden mit dem Eindruck einer seriösen Fortbildung, die in der Regel aber keine ist, sondern eine reine Werbemaßnahme.” Pharmakritiker Wolfgang Becker-Brüser hat bei einem Osteoporosemedikament keinen Hinweis auf lebensgefährliche Nebenwirkungen gefunden. Ein Reservemittel, mit dem man Lungenentzündung behandeln kann, werde vom Hersteller als “erste Wahl” deklariert.

“Die Studien, auf die sich hier berufen wird, sind von Firmenmitarbeitern und bezahlten Gutachtern geschrieben worden”, so Becker-Brüser. Das Medikament wirke nur bei einer Bakterienart. “Diese Bakterien müssen vor der Behandlung nachgewiesen werden, sonst ist die Behandlung lebensgefährlich. Das wird in der Fortbildung nicht deutlich erklärt.”

Der deutsche Arzneimittelmarkt sei “beispiellos unübersichtlich”, kritisierte 2002 “ver.di”-Chef Frank Bsirske. Zugleich mangele es an unabhängiger Information über den medizinischen Nutzen. Bei den Fortbildungsveranstaltungen werde ein Großteil von der Pharmaindustrie selbst organisiert. Die geplante Positivliste könne den Ärzten eine unabhängige Orientierungshilfe bieten.

Pharmafirmen brächten mit Geld und Geschenken ihre Produkte an die Ärzte und sponserten vermeintlich unabhängige Sachverständige, sagt Anke Martiny von der Anti-Korruptions-Organisation “Transparency International”. 2002 geriet eine bekannte Pharmafirma unter Verdacht, sie habe Mediziner mit Zuwendungen bedacht, damit sie die Medikamente des Konzerns verwenden.

Quelle: www.3sat.de

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