Ordnungen und Beziehungen – Berhard Werzer

Götz Wittneben im Gespräch mit dem Betriebs- und Familienaufsteller Bernhard Werzer

Wie so oft im Leben bilden frühkindliche Erfahrungen den Nährboden für eine spätere berufliche Orientierung. So auch bei dem Österreicher Bernhard Werzer, der früh zur Adoption freigegeben worden war, aber von einer Familie zur anderen gereicht wurde, ohne jedoch adoptiert zu werden. So war bereits sehr früh sein Interesse für Beziehungen entstanden. Initialzündung für die Entscheidung, Aufstellungen nach Bert Hellinger sowohl im betrieblichen als auch im privaten Bereich zu machen, war dessen Buch „Ordnungen der Liebe“. Es folgte eine Aus- und Weiterbildung bei Bert Hellinger und seinen Schülern, „es ist einfach fantastisch, was man dort lernen kann“, so Werzer. Aufstellungen zeigen einfach, „was in der Ordnung ist und was aus der Ordnung herausfällt“ ohne vorzugeben, wie etwas sein sollte.
Es gibt natürliche Ordnungen, die nicht vom Menschen gemacht sind, sie waren schon vor dem Menschen da, im Gegensatz zu Regeln, die von Menschen gemacht sind: es gibt das weibliche und männliche Prinzip, jeder hat eine Mutter und einen Vater und die waren vor uns da. Als Kind also die Stelle der Mutter oder des Vaters einnehmen zu wollen, ist ein Verstoß gegen die natürliche Ordnung. Der Zeitpunkt des Einritts in ein Familiensystem bestimme die natürliche Rangordnung, die es nicht zu übertreten gälte. Die drei größten „Rangordnugs-Übertretungen“, die bei Aufstellungen häufig zutage träten, seien: „Ich für dich und du für mich“, „Ich folge dir nach“ und die dritte „Ich sühne“.

„Was ist das Grundlegende von Beziehungen? Das Geben und Nehmen! Wir streben immer nach Ausgleich! Und wenn jemand nur gibt, aber nichts nehmen will, überhöht er sich über den anderen“. Eine Partnerschaft könne in der Liebe wachsen, wenn der, der empfängt, immer ein klein wenig mehr zurückgibt, als er empfangen hat. Überraschend stellt Bernhard Werzer klar, dass es auch eine Verpflichtung zum Ausgleich bei Verletzungen gäbe – allerdings solle man in diesem Fall weniger „zurückgeben“, als man empfangen habe, sonst drohe eine nicht enden wollende Spirale.

Spannend ist Werzers Erläuterung zur Bedeutung des „Gewissens“, bei dem es in der individuellen Ausformung immer um die Angst um den Verlust der Zugehörigkeit ginge. „Entwicklung eines Menschen ist also nur im Konflikt mit seinem kindlich geprägten Gewissens möglich!“

Aufstellungen schaffen nach Werzer einen Raum ‚jenseits von Gut und Böse‘, einen Raum ohne Urteil, was dazu führe, dass Menschen auf einmal eine neue Perspektive einnehmen können.

Anmerkung: Bernhard erwähnt einen Psychologen, der an Kinderlähmung erkrankt war. Es handelt sich dabei um den Psychologen Milton H. Erickson.

Informationen zur Arbeit von Bernhard Werzer: www.werzer.org

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