Nemi El-Hassan: Wie die Antisemitismus-Debatte entgleiste | ZAPP | NDR

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Nemi El-Hassan: Wie die Antisemitismus-Debatte entgleiste | ZAPP | NDR

Die TV-Journalistin Nemi El-Hassan steht kurz vor einem großen Karrieresprung, als ein Bericht der BILD-Zeitung alles verändert: Fotos zeigen, wie die Deutschpalästinenserin 2014 am antisemitischen und israelfeindlichen Al-Quds-Tag teilgenommen hat. Es folgt eine öffentliche Gesinnungsprüfung und eine extrem polarisierte Debatte. Anstatt über die wichtige Frage zu diskutieren, wo legitime Kritik an israelischer Politik aufhört und Antisemitismus beginnt, projizieren Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Medien, aber auch Kommentare in Zeitungen dieses komplexe Thema auf die Person El-Hassan. Der WDR, der sie als neue Quarks-Moderatorin angekündigt hatte, gerät unter Druck. Jeder ihrer Likes wird unter die Lupe genommen, doch eine inhaltliche Auseinandersetzung damit findet kaum statt. Am Ende verliert Nemi El-Hassan ihren Job beim WDR und macht dem Sender schwere Vorwürfe – Schaden auf beiden Seiten.

Ist der Antisemitismus-Vorwurf gegen Nemi El-Hassan berechtigt oder nicht? Diese Frage wollen wir bei ZAPP nicht beantworten. Wir wollen stattdessen wissen: Wie konnte die Debatte so entgleisen? Welche Mechanismen in sozialen Medien verhindern einen konstruktiven Dialog über das akute Thema Antisemitismus? Und welche Rolle spielen klassische Medien dabei? 

Darüber haben wir mit Beobachter:innen und Beteiligten gesprochen: Journalist Philipp Peyman Engel hat die Debatte für die Jüdische Allgemeine begleitet und beobachtet eine wachsende Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland auch durch israelbezogenen Antisemitismus. Hanno Hauenstein von der Berliner Zeitung am Wochenende erkennt eine klare rassistische Kampagne gegen eine palästinensischstämmige Journalistin. Der Investigativjournalist Henrik Merker hat herausgefunden, dass die Vorwürfe gegen El-Hassan aus fragwürdigen Motiven lanciert wurden. Die Medienwissenschaftlerin Judith Ackermann ordnet ein, wie die Strukturen sozialer Medien eine unsachliche Diskussion befördern.

Das Video ist der zweite Teil der dreiteiligen ZAPP-Serie „Verurteilt im Netz“, in der wir fragen: Welche Mechanismen greifen, wenn jemand in Social Media gebrandmarkt wird? Welche Rolle spielen die klassischen Medien dabei? Welche Macht bleibt den Gerichten, wenn Teile der Öffentlichkeit längst geurteilt haben? In der nächsten Folge werden wir uns mit der Debatte um den Musiker Gil Ofarim beschäftigen.

00:00 Intro
01:38 Aufstieg und Fall der Nemi El-Hassan
07:34 Aktion statt Diskussion
12:09 Vom Inhalt zur Person
19:50 Likes und Gesinnung
24:33 Fazit

Quellen der Datenanalyse:

1. Twitter: Tweets aus dem Vollarchiv, gefunden mit Unterstützung des Social Media Observatories des Hans-Bredow-Instituts (https://www.hans-bredow-institut.de/de/projekte/social-media-observatory). Das Institut bietet die Tweet-IDs aus dem Projekt auf Anfrage zum Download an (https://smo-wiki.leibniz-hbi.de/Datasets).
2. Facebook, Instagram, Reddit: Abfragen via CrowdTangle

https://www.ndr.de/zapp




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