Missing Link: Ola Tunander zu angeblich russischen U-Booten vor Schwedens Küste

Geschichte wiederholt sich doch. Die wohl erfolgreichste Operation der psychologischen Kriegführung aller Zeiten, die im Auftrag von Reagan und Thatcher von der britischen und amerikanischen Marine inszenierte „Schwedische U-Boot-Affäre“ der 80er Jahre, erlebt gerade eine Neuauflage.

Damals wie heute sollen angeblich russische U-Boote in schwedisches Hoheitsgebiet eingedrungen sein.

Damals wie heute handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung, eine Inszenierung von Realität, um eine Änderung der Außen- und Sicherheitspolitik gegen den Willen einer sozialdemokratischen Regierung durchzusetzen.

In den 80er Jahren gelang das offenbar mit der Unterstützung einer kleinen Gruppe der höchsten schwedischen Offiziere, die ihren sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Olof Palme hassten und misstrauten, und mit den USA und Großbritannien gegen ihre eigene Regierung konspirierten.

Vor knapp 35 Jahren, im Oktober 1981, lief das sowjetische U-Boot S363 etwa 30 km vor dem schwedischen Marinehauptquartier Süd in Karlskrona auf Grund. Selbst die Umstände dieser Strandung waren extrem merkwürdig, wie Dirk Pohlmann in seiner Arte-Dokumentation „Täuschung – Die Methode Reagan“ berichtete.

Diese Ouvertüre des gestrandeten russischen U-Bootes führte dazu, dass die hunderten U-Boot Sichtungen der frühen 80er Jahre in schwedischen Hoheitsgewässern den Sowjets untergeschoben werden konnten.

Heute steht fest, dass es kein einziges Indiz mehr für sowjetische U-Boote gibt, dafür aber immer mehr für britische, amerikanische und Italienische U-Boote. Es handelte sich um eine Täuschungsoperation der USA und Großbritanniens gegen Schweden. In der Fachsprache PsyOps – Psychological Operations, psychologische Kriegführung.

Mit der U-Boot-Affäre wurde die Entspannungspolitik Olof Palmes, Willy Brandts und Egon Bahrs, ihre sogenannte „Gemeinsame Sicherheitspolitik“, torpediert. Ein Deeskalationsinstrument, das heute ideal geeignet wäre, um die Konflikte zwischen Russland und der NATO zu entschärfen. Wenn man es denn wollte.

Letztlich führte die schwedische U-Boot-Affäre über die Diskreditierung von Olof Palme als Freund der Sowjets CIA-Gegenspionagechef James Jesus.
Angleton bezeichnete Palme gegenüber seinen Kollegen in Schweden sogar als KGB-Agent, zu einer Atmosphäre des Hasses rechter Kreise auf den „Verräter“ Olof Palme.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre wurde Palmes Ermordung 1986 möglich.

Seit 2014, seit der Ukraine-Krise, gibt es jetzt erneut geheimnisvolle U-Boot-Sichtungen vor der Küste Schwedens. Erneut soll es sich um russische U-Boote handeln, so heißt es.

Erneut wird eine auf falschen Tatsachen beruhende Berichterstattung in die Welt gepumpt. Jetzt wird auf Grundlage der russischen Bedrohung ein NATO-Beitritt Schwedens diskutiert.

Vor wenigen Tagen nun hat der schwedische Verteidigungsminister im öffentlich-rechtlichen Radio zugegeben, dass ihm seit September 2015 bekannt ist, dass sich beide angeblich sicheren Sichtungen von russischen U-Booten als Fehler herausgestellt haben.

Im einen Fall war es ein schwedisches U-Boot, im anderen wahrscheinlich ein deutsches.

Warum hat die schwedische Regierung so lange geschwiegen?

Ein deutsches U-Boot soll beteiligt gewesen sein.

Nach Monaten von Anschuldigungen gegen das Russland Putins schweigt die deutsche Presse – ausnahmslos. Die deutschen Medien haben die dubiosen Anschuldigen nicht kritisch hinterfragt, jetzt verschweigen sie auch noch die Tatsachen. Ein Medienskandal. Ein Totalversagen. Oder schlimmeres.

KenFM übernimmt deshalb stellvertretend für die versagenden deutschen Medien die Aufklärungsarbeit und hat sich mit RT und Sputnik in Verbindung gesetzt – dort besteht Interesse an einer Aufklärung.

Als Auftakt ein Telefoninterview, dass Dirk Pohlmann für KenFM mit Prof. Dr. Ola Tunander geführt hat, Forschungsprofessor am staatlichen norwegischen Friedensforschungsinstitut PRIO.

Ola Tunander ist mit seiner akribischen Forschung über die U-Boot-Zwischenfälle zunehmend in Ungnade gefallen. Vor allem in den USA, die dann dafür gesorgt haben, dass er vor wenigen Tagen von PRIO in den vorzeitigen Ruhestand geschickt wurde.

Ola Tunander, der früher auch an amerikanischen Militärakademien unterrichtete, ist ein Spezialist für Marinestrategie und der weltweite beste Experte für das Thema der schwedischen U-Boot-Zwischenfälle.

Er war ziviler U-Boot-Experte der 3. schwedischen Untersuchungskommission, die vom Parlament eingesetzt wurde und bearbeitet das Thema seit mehr als 20 Jahren.

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