“Methoden der Manipulation”, Folge 3: Geschichten verkürzt erzählen

Die Methode, einen Vorgang verkürzt zu erzählen, also wegzulassen, was in die eigene Interpretation nicht passt, hat eine alte Tradition. Schon die Eroberung der Lebensräume der Indianer durch den weißen Mann ist so zu beschönigen versucht worden: Die Pfeile der Indianer waren die Ursache des Konflikts und des Todes und der Vertreibung.

Heute hat diese Methode richtig gute Konjunktur:

Die Mehrheit unserer Bevölkerung glaubt zum Beispiel, dass für die Ukrainekrise die Annexion der Krim durch Russland ursächlich gewesen sei. Sie glaubt auch, dass es in Syrien die meisten Toten und Verwüstungen erst seit dem Eingreifen Russlands gebe, und sie glaubt, dass Terroristen aufgrund religiöser Verblendungen “vom Himmel fallen” und dass Russland ein größerer Aggressor sei als die USA.

Viele Menschen haben diese “Glaubenssätze” verinnerlicht, weil sie diese Geschichten immer wieder so erzählt bekommen: Verkürzt. In Zeitungen, in Nachrichten, in Talkshows.

Die Methode wird bei Leibe nicht nur in der Außen- und Sicherheitspolitik angewandt: Wenn heute sogar in konservativen Kreisen über die schlechte Einkommens- und Vermögensverteilung geklagt wird, dann wird einer der Ursachen weggelassen, die Geschichte wird verkürzt erzählt: Die Verschärfung der skandalösen Einkommensverteilung ist auch eine Folge des Drucks auf die Löhne, der hochgelobten Agenda 2010 und der Ausweitung des Niedriglohnsektors. Dass die Reallöhne seit den neunziger Jahren nicht oder nahezu nicht gestiegen sind, schlägt sich in der sogenannten Lohnquote und damit auch in der Einkommensverteilung nieder. Aber dieser Teil der Geschichte wird „geschlabbert“.

Um sich ein Bild machen zu können oder gar ein Urteil bilden zu können, sollte man jeweils die ganze Geschichte kennen. Die wird uns vorenthalten, um das gewünschte Fehlurteil und die falsche Reaktion zu produzieren.

Diese manipulativen Mechanismen gilt es zu entlarven und zu benennen. Deshalb diese Serie über Methoden der Manipulation.

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