Menschenlabor Sowjetunion | Dokumentarfilm von Boris Rabin (2009)

Züchtung eines “Neuen Menschen” hieß das Ziel gewagter Experimente, die in der Sowjetunion in den 20er Jahren durchgeführt wurden. Biologie, Technik und Naturwissenschaften erschienen den Bolschewiken dabei als Lösung für alle Probleme des Landes. ARTE zeigte den neuen Film von Boris Rabin über die sowjetische Utopie eines “Neuen Menschen”.

Einige Wissenschaftler glaubten, durch Blutaustausch zwischen jung und alt eine perfekte Gesellschaft mit makellosen Menschen zu schaffen. Andere versuchten, Menschen mit Affen zu kreuzen, um menschenähnliche Hybriden zu zeugen. Diese sollten den Militärchemikern als Versuchsobjekte für neue Giftstoffe dienen und schwere und gefährliche Arbeiten übernehmen. Eine weitere Theorie propagierte die künstliche Befruchtung von Frauen mit dem Sperma herausragender Revolutionäre.

So sollten von einer überragenden Persönlichkeit tausende oder zehntausende Kinder abstammen, um eine enorme Steigerung der geistigen und moralischen Eigenschaften der nächsten Generationen zu erreichen. Obwohl die Züchtung eines neuen Menschen in der Sowjetunion scheiterte, bewirkte die sowjetische Realität bei Millionen von Menschen Veränderungen vor allem im politischen und gesellschaftlichen Verhalten. So entstand ein “homo sowjeticus”.

“Menschenlabor Sowjetunion” ein Dokumentarfilm von Boris Rabin:
http://www.lichtfilm.de/2009/filme/am-mittwoch-dem-2-12-um-21-50-zeigt-arte-den-neuen-film-boris-rabin-uber-die-sowjetische-uopie-eines-neuen-menschen/

UPDATE: 06.10.2011
Aufgrund einer Bitte des Dokumentarfilm-Studio “Lichtfilm GmbH” wurde die Dokumentation entfernt.

Nach dem Sieg der bolschewistischen Revolution 1917 in Russland stand die sowjetische Regierung vor riesigen Problemen. Sie musste ein armes rückständiges Land in das zwanzigste Jahrhundert und in ein neues technisches Zeitalter katapultieren. Die Ideologen der kommunistischen Utopie glaubten, dass die Menschen der alten kapitalistischen Weltordnung dafür nicht geeignet wären. Es musste also ein neuer Erdenbürger geschaffen und der Mensch selbst zum Objekt revolutionärer Veränderungen werden. So wurde die Züchtung eines “Neuen Menschen” zum Ziel gewagter Experimente, die in der Sowjetunion in den 20er Jahren durchgeführt wurden.

Obwohl die Züchtung eines neuen Menschen in der Sowjetunion gescheitert ist, bewirkte die sowjetische Realität bei Millionen von Menschen bedingte Reflexe mit fortwirkender Prägung. Als Folge entstand ein Wesen, das man heute als „Homo Sowjetikus“ bezeichnet. Der Film erzählt die Geschichte der gewagten Experimente der 20er Jahre in der Sowjetunion in den verschiedenen Bereichen der Biologie (Genetik, Primatologie, Physiologie), mit denen die menschliche Natur verändert und verbessert werden sollte. “Menschenlabor Sowjetunion” ist eine deutsch-russische Koproduktion, mit dem MDR und Förderung der MDM.

http://www.lichtfilm.de/2009/filme/menschenlaboratorium-sowjetunion/

Der Film ist über den Weltvertrieb Telepool erhältlich: http://www.telepool.de/%28S%28bjy1h0frrdw41v550gmzujai%29%29/movie.html?ID=b1af1424-99dc-4d73-9ca2-31af5a224a39

English: The Breeding of a Super Race – Secret Experiments in Soviet Laboratories

In the early period of the Soviet Union breathtaking experiments have taken place: Crossbreeding between man and ape; blood refreshment by transfer; fixing conditional reflexes to the genes; artificially inseminating women by sperms of genius men. Original Title: “Menschenlabor Sowjetunion”: A Film by Boris Rabin. Produced by “Lichtfilm GmbH” in coproduction with “Mirumir Studio Russia”, MDR and ARTE.

Everything seemed to be possible in this short time period, ending 1936 with mass murdering of so called opponents. The film lightens this period by archive footage, authentic places and with the words of specialists. After the victory of Bolshevist revolution breeding of “a new man” (in a broad sense – new mankind) became one of the main goals of a grandiose experiment, that was to be carried out at “one sixth part of the earth”. The struggle for “a new man” had not only ideological reasons. Strange, as it may appear at the first sight, but its active development was stimulated by disease and death of Bolshevist leader Vladimir Lenin. Lenin’s death became an alarming signal for his comrades.

The communist elite rushed to doctors’ rooms requiring to prolong their lives due to the newest medical discoveries. Different scientists were involved in the solution of this problem. An old Lenin’s comrade and later his ideological opponent Alexander Bogdanov, physician, philosopher and science fiction writer was among them. In 1924 Bogdanov began to experiment with blood transfusions on real humans. He often experimented on himself, and he kept track in his records of the improvements of his general condition, production capacities and appearance.

Dienstag, 8. Dezember 2009 um 10.50 Uhr – Wiederholungen: Keine Wiederholungen
Menschenlabor Sowjetunion (Deutschland, 2009, 52 Minuten) MDR, Regie: Boris Rabin
http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1093845,day=4,week=50,year=2009.html

Von Affen und Menschen – Wie die Sowjetunion den idealen Sozialisten züchten wollte:

Was käme dabei heraus, wenn man Affen und Menschen kreuzt? Dieses äußerst fragwürdige Experiment wird Anfang des letzten Jahrhunderts zur Obsession eines Petersburger Biologen. Ilja Iwanow entwickelt eine Methode der künstlichen Befruchtung. Damit will er gemeinsame Nachkommen von Affe und Mensch zeugen. Seine Absicht: den Urmenschen rekonstruieren. Er hält die Evolution für eine einfache Abfolge der Arten. Also muss aus Mensch und Affe ein lebendiger Urmensch entstehen. – Damals galt das durchaus als seriöse Wissenschaft.

“Arten wieder herstellen”:“Für ihn war die Evolution prinzipiell kontinuierlich,” sagt der Wissenschaftshistoriker Kiryl Rossijanow. “Und dann geht es darum, dass man die Arten wieder herstellt, die früher existierten, die dann aber durch das Aussterben der Zwischenformen verschwunden sind. Auf jeden Fall kann also seiner Meinung nach die Hybridisierung von Menschen und Affen nicht unnatürlich sein.”

Iwanow weiß noch nicht, dass diese Kreuzung durch die unterschiedliche Chromosomenanzahl von Menschen und Affen genetisch unmöglich ist. Beide haben sich, wie man heute weiß, in der Evolution parallel entwickelt. Doch für Iwanow ist der Mensch ein besserer Affe: mit verwandter Anatomie, ähnlicher Jungenaufzucht und dem gleichem Blut. Die Forscher sind damals so begeistert von den Gemeinsamkeiten, dass sie sie maßlos überschätzen.

Künstliche Befruchtung: “Man hat daran gedacht, dass man den Schimpansen die Musik, die Geometrie und die menschliche Sprache unterrichten wird,” so Kiryl Rossijanow. “Und am Ende gab es da die Behauptung, die ich auffallend finde, merkwürdig auf jeden Fall: Die Schimpansen seien als schwach begabte Kinder mit weitgehender Unaufmerksamkeit zu betrachten. Also die Idee, dass der Unterschied gar nicht so groß ist, war schon da.”

Iwanow macht die künstliche Befruchtung noch vor dem Ersten Weltkrieg reif für die Massenproduktion. Sperma wird entnommen, um potentielle Muttertiere zu besamen. Iwanow züchtet so auch Hybride aus Zebra und Pferd. Warum also nicht auch aus Menschen und Affen?

Einen “Neuen Menschen”: 1917: Die Revolution wischt die bürgerliche Moral und die Kirche hinweg, die dem Experiment entgegenstehen. Die Bolschewiki kommen an die Macht und wollen einen “Neuen Menschen” schaffen. Iwanows Vorhaben passt ins Bild, dass der Mensch ohne Gott entstanden sei – eben ein besserer Affe. Die Kreuzung verspricht sogar, den degenerierten, dekadenten Bürger wieder zu seinem natürlichen Ursprung zurückzubringen. Aber nicht nur die Bolschewiki unterstützen den Forscher. Das renommierte Pariser Institut Pasteur lädt ihn nach Französisch Guinea ein. Die arroganten Weißen glauben, für das Experiment seien Schwarze besser geeignet, da sie den Affen näher stünden.

Drei Schimpansenweibchen: 1928 ist es dann so weit. Drei Schimpansenweibchen werden von Iwanow und seinem Sohn mit menschlichem Sperma besamt. Zwei sterben schnell wegen der schlechten Bedingungen in der Gefangenschaft. Trächtig sind sie nicht. Iwanow glaubt, das Experiment sei nur an den äußeren Bedingungen gescheitert.

“In Afrika ist Iwanow, ich würde sagen, monomanisch geworden,” meint Rossijanow. “Er wusste, dass er wenig Zeit hatte, wenig Geld. Und deshalb musste er an eine Alternative denken. Er hat geplant, die afrikanischen Frauen im Krankenhaus zu befruchten, ohne dass sie davon wussten.”

Forschungsstation am Schwarzen Meer: Das verbietet der Gouverneur. Doch die Frauen in der Sowjetunion sollen ein neues sozialistisches Bewusstsein haben. Sie stehen nicht nur ihren Mann in der Produktion, sie sollen sich für den Fortschritt opfern. Iwanow findet tatsächlich Freiwillige. Er will sie mit dem Sperma eines Orang-Utan besamen und erhält eine neue Forschungsstation am Schwarzen Meer – ein Geschenk Stalins. Dort wird alles für ein Experiment mit Frauen vorbereitet.

Auch Kollege Woronoff meldet Interesse an. Er will die Hoden der Affenmenschen für eine ominöse Verjüngungskur verwenden, die Stalin und sein Gefolge unsterblich machen soll. Doch als der einzige Orang-Utan stirbt, den Iwanow zur Verfügung hat, sind alle Träume gescheitert.

Neueste Gentechnologie: Aufgrund einer Intrige wird er nach Kasachstan verbannt. Dort stirbt er im Glauben, dass er unter besseren Bedingungen Affen und Menschen hätte kreuzen können. Doch auch mit der neuesten Gentechnologie ist das nicht möglich. Und nach Iwanow hat es nie wieder jemand versucht …

Text: Christine Daum

Quelle: http://web.archive.org/web/20071225143549/http://www.arte.tv/de/wissen-entdeckung/Affen—unsere-liebsten-Verwandten_3F/1288628,CmC=1289220.html

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