Langes Gedicht, ausgehend von einem besonderen Schmerz


Ein Schmerz auf Seiten meiner Tochter weckte einen Schmerz auf meiner Seite, holte ihn wieder hoch aus der Versenkung … Langes Gedicht, ausgehend von einem besonderen Schmerz

Nele,
deinen Schmerz, den Film zu sehen,
wie dein Kind in unsern Armen –
statt in deinen lag,
als du es
dem Zeuger ließest,

diesen Schmerz, er scheint mir nahe (eingefügt Sonntag, 28. Oktober 2007, 13.51 Uhr )
dem zu sein, der mich durchbohrte,
als ich wußte
euch in andrer Händen,
fremde Menschen durften
Hand anlegen und erziehn.
Wie mir schien,
warn sie noch ferner
DEM, den ich verleugnete,

Dies gab es mir zu entdecken,
daß da in ganz tief Verstecken,
DU in mir noch da warst,
hinter dem Gerümpel
allen Weltkrams und Gedümpel
auf dem Meer der Welt,
warst DU in die Eck gestellt,
aber warst noch da!

Voll Erstaunen sah ich’s ja,
als ich mich befragte,
was mir nicht behagte,
daß ihr zwei ins Heim gezogen,
– andre Menschen zahlen’s teuer,
daß ihr Kind in fremden Händen,
hier bezahlte es die Steuer,
und mir drehte es den Magen,
um und um und raubt mir’s Fragen
allen Schlaf:
Warum mußte es geschehen?
Diese bösen Wehen,
dies So Gehen Lassen
MÜSSEN, war mir nicht zu fassen!
Küssen wollte ich die Füssen
meiner Kinder
doch sie ziehn auf ihnen fort,
an nen gänzlich andern Ort!

Mutters Liebe schien gelogen,
Mutter hat sich quer gestellt,
dies war nicht die traute Welt,
sie hat sonst uns doch gelassen,
nun tritt plötzlich auf ein Hassen
unsrer eignen Schritte,
das machen wir nicht mitte!

Die Vogelmutter rührt – hört man –
ihr Junges nicht mehr an,
wenn Menschen es berührten!

Ja, riß nicht auch mein Herz
zwischen zwei Polen, zwei, entzwei:

Eingestehn, daß
meine beiden weggegangnen Kinder
nach fremder Menschen Einfluß
nicht mehr die meinen sind?

Oder

ewig weiterhoffen, daß das, was
liebend ich sie lehrte,
soweit es nicht das ganz Verkehrte,
ihr Grundgerüst geblieben ist:

Offen für die Not der Armen
bleiben und Erbarmen
fühlen.

Das wollte ich,
daß sie es lernen.
Und schaute dann von Fernen,
wie sie mich aufgaben
für eine Spülmaschine,

mehr war ich ihnen wert
nicht.
Gehorsam hab ich nicht gelehrt,
verlangt wohl hie und da,
doch nicht gelehrt,

weil ich in jener Zeit
nicht mehr auf DICH gehört!
Die Welt hat mich verzehrt!
Ihr wollt ich Kinder bieten!
Um selber weit zu glänzen,
wollt ich nicht, daß sie schwänzen
den Weg zum Weltenruhm!

Gute Noten von der Welt
hätten mich ins Licht gestellt.
Nein,
nicht in Deins!
Ins kümmerlich vergänglich Leuchten
das ich – wie allenthalben üblich heut –
anstrebenswert und super fand.

Es ist ein ganz vergeblich Pfand,
im Jenseits wird’s nicht eingetauscht …
– doch davon ahnte mir nicht mehr,
und wollt ich auch nicht wissen!
Gebote Gottes war’n zu schwer,
darum auf sie geschissen!

Selbst was die Mensch geboten,
wurd unterlaufen, – auch von mir! -,
auf der Messe Bücher klauen,
war ein Sport in jenen Jahren,
(Kinder war’n noch nicht geboren,
die zu ziehen an den Ohren,
wenn sie mir was stahlen
ist mir später schwer gefallen)
ohne Fahrschein U-Bahn fahren,
das tat’st DU mir gleich versauen
hast erwischen lassen
die Studentin da sofort,
mehrfach war’s so
bis ich ließ die seltnen Proben,
schwarz zu fahren ganz enthoben
andrer Menschen Pflichten,
wir sollten uns doch richten,
dem Kaiser geben seine Münz
ihm geben, was des Kaisers ist!

Natürlich wußt ich nicht,
daß DU dahinterstandst,
ne Ahnung mocht ja keimen wollen,
der ich dann doch kein Achtung zollen
mochte, es pochte mir das Herz ganz fürchterlich
wenn unbezahlte Waren vorbei am Ladentisch,
– sprich das Fließband an der Kass nicht drückten –
geschmuggelt wurden, es pochte mir bis in den Hals
es war dies arge Strafe, ich wurde puterrot, die Worte
stockten, stolperten, verhedderten sich heftig,
ich meinte stets, man muß es merken
verraten täts bei falschen Werken.

Wie wohle wars da im Gefängnis,
als ich es einmal büßen mußte,
man räumte mir ein kleines Zimmer
ein für zwei Tag und Nächte,
gab frische Wäsch dazu,
auch wenn die beiden Tage
sich dehnten wie zwei Jahre,
ich war entzückt von den Geschenken:
man gab mir Essen, meine Schuld
wurde getilgt, man zeigte Huld,
indem man mich verwöhnte
(Kartoffelsalat mit Würstchen gab es frei, ohne für zu zahlen, in Wonne tat’s mich ahlen).

So versöhnte
der Staat mich wieder mit sich,
ich konnte ihm gar
nicht mehr so arg bös sein
wie die Genossen Roten!
Die taten, was verboten,
noch zügelloser!

Hemmungslos zerstörten sie,
um Neues aufzubaun, das war mir fremd,
da gab es eine Achtung vor ander Menschens Arbeit
weil ich die Arbeit kannte?

Wir Kinder wurden nicht geschont, zu helfen galt’s,
sägen, hämmern, Hühner schlachten, Unkraut jäten,
Hühner füttern, Hühner rupfen, Futter mengen für das Schwein,
Eier suchen in den Nestern, dem Gekakel nach dem Legen
folgen in versteckte Ecken, kehren mit dem harten Besen,
sprengen vorher mit dem Wasser
– im Sommer staubt’s sonst allzusehr –
Eierkuchen rühren helfen und Kartoffeln schälen,
und zuvor sie aus dem Keller holen, Keim entfernen,
Keller ordnen, Speisekammer, Eingemachtes hochbefördern,
Pflaumen pflücken, Pflaumen tragen, auch die Trauben in der Kiepe,
Steine schleppen an dem Hang, graben, gießen, Eimer tragen voll mit Wasser
putzen, spülen, Ziegeln schleppen hoch die Leiter,
auch die Bütt mit frischem Speis, Strümpfe stopfen (ab und zu),
Risse nähen, Äpfel putzen und Gemüs’
auch die Schuh in langen Reihen, alles dies
war uns geläufig, nein, da konnte man nicht leichtens
ander’ Menschens Werk zerstören,
recht verwöhnt schienen die Gören
– mein ich heut – die da nicht scheuten
vor gewaltsam Tun zurück,
Hausbesetzen Startbahn West,
nein das schien mir nie ein Fest,
die Gemeinschaft mied ich lieber,
zu gefährlich! Stolz erzählte Hansi Taten
warf sich gegen Rektors Türen, traten
sie womöglich ein, so gemeinsam stark
wollte ich nicht sein. Und ich fragte unverblümt:
Hast du Krach mit deiner Freundin, hat der Mann dies denn verdient?
Hier hat man was eingesteckt, dort ließ man’s am andern aus!
Das erschien mir gar nicht rechtens. Gut, es war die Startbahn West
ein Verbrechen an Natur, Fluglärm über Einflugschneise
störte Schlaf, all das Gereise
mußte ja nicht sein,
die jedoch die Bahn besetzten,
besetzten auch im Flugzeug Platz,
machten Urlaub auf Canaren, Mallediven,
solche Worte, die mir fremd,
die man aussprach unverschämt.

Noch heute wüßt ich nicht die Flecken
auf der Landkart zu entdecken,
wo Genossen es genaßen
wohl und wohlstverdientermaßen,
weil sie hier auf manchen Straßen
rempelnd, rüpelnd, schreiend maßen
sich mit Ordnungskräften,
gegen die sie heftig kläfften,
wie der kleine Hund den großen
Köter reizt und stachelt,
und das Machtverhältnis kachelt.

Eines ist ja klar, der Gegner hat die größre Macht,
im Halfter steckt die tödlich Waffe, der Knüppel ist nicht ohne,
das Wasserwerfer-Untier fährt schon bei
und wenn Befehl gegeben würde, nicht eine Bohne
kümmert’s den Befehlsempfänger , was daraus wird.
an ihm ist’s zu gehorchen,
Das hat er unterschrieben, als er die Arbeit annahm

Man hätt die Rollen tauschen sollen ! (- DU hast es später ja gelenkt, daß zum Befehler wird gerenkt, in Amt und Würden wie geschenkt, wer andre denunzierte, daß nach Befehl er gierte, und auch auf diesem Posten war der Befehleschlucker, und nicht nur deren Spucker, hier hieß das Kind wohl anders, …

Das ganze Gedicht hier.

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