Kloster Schäftlarn: Prälatengarten

Kloster Schäftlarn: Prälatengarten

Zum Verweilen, zum Austausch und zum Meditieren soll der Prälatengarten einladen. Das war wohl auch die ursprüngliche Idee der Prämonstratenser, die den Garten im 18. Jahrhundert ausschließlich für den Konvent errichten ließen. Ursprünglich war Kloster Schäftlarn, das schon im Jahr 762 nach Christus entstand, von den Benediktinern geleitet worden. Als nach der Säkularisierung in Bayern das Wirken der Prämonstratenser endete, kamen in 1866 die Benediktiner wieder zurück und sind bis heute geblieben. Den Prälatengarten nutzten sie bis zu seiner Neugestaltung als Gemüseland.

Gärtnern über Generationen
Angela Steck hat einen besonderen Bezug zum Schäftlarner Prälatengarten. Ihr Vater Martin Stangl, ein ortsansässiger Gartenbauingenieur, hat zusammen mit dem von der Mutter gegründeten Verein „Schönes Schäftlarn“ 1998 den Prälatengarten neu angelegt. Nur der Rosenbogen am Eingang zum Garten blieb, wie er war. Die vier alten Rosenstöcke wurden durch neue Pflanzen derselben Sorte ersetzt, sorgfältig ausgegraben und kamen an die Mauer am Gewürzgarten, wo sie prächtig gedeihen.

Gartenanlage mit Symbolgehalt
Die Anlage bildet ein langgezogenes Rechteck. An der kurzen Seite im Norden erhebt sich das dreigeschossige Kloster mit der Schule und im Süden das Ökonomiegebäude mit zwei Stockwerken. Die Längsseiten bilden Mauern aus der Barockzeit. Wege bestimmen das Bild des Prälatengartens. Seine Hauptwege streben dem Mittelpunkt der gesamten Gartenanlage zu, dem unaufhörlich fließenden Quell als Symbol für Lebendigkeit und Kreativität. Diese Quelle, deren Wasser aus dem Quellgebiet am nahegelegenen Berghang kommt, sprudelt durch den natürlichen Wasserdruck seit mehr als zwei Jahrhunderten ohne Unterbrechung. Die zentrale Ausrichtung des Brunnens ist so gewollt: Wasser steht als Quelle des Lebens für Gott. Auch der Kreis ohne Anfang und Ende ist ein göttliches Symbol. Die Kreisform wiederholt sich dann im Brunnenbecken, im Weg um das Becken und in den anschließenden Rosenbeeten. Variationen in Blau geben im Prälatengarten das ganze Jahr über den Ton an, als Anmutung an die unendliche Weite des Himmels und des Meeres. Durch die sonnige Lage, die Wärme abgebenden Mauern und hitzespeichernde Steine im Beet wächst der Lavendel hier besonders gut.

Ehrenamtliches Engagement
Seit rund 10 Jahren ist Angela Steck Vorsitzende des Vereins und es ist ihr eine Herzensaufgabe, den Prälatengarten so zu erhalten, wie ihn der Vater gestaltet hat: Genießen, meditieren und zu sich selbst finden, also etwas, was man nicht kaufen und nicht erzwingen kann – darum soll es hier gehen.
Jeden Dienstag harken Mitglieder vom Verein und Helfer unter ihrer Anleitung ehrenamtlich die Beete im Prälatengarten, pflegen die Bepflanzung oder ersetzen sie durch neue. Die Ausgaben finanziert der Verein durch Spenden der rund 130 Mitglieder und der Besucher.

Jetzt im Oktober haben sie viel zu tun, damit das Gesamtbild des Gartens auch im Winter unter Schnee und Raureif nicht gestört wird: So räumen sie die verblühten Stauden ab und pflanzen winterharte blau blühende Hornveilchen ein. Die Seitenwege verlaufen von Nord nach Süd in gleichmäßigem Abstand zur Mauer und führen zu acht Banknischen. Auch der zweite Vorsitzende des Vereins, Lothar Link, packt selbst mit an. Zusammen mit Jochen Fischer baut er die Holzbänke ab, und ersetzt sie durch Plastikbänke. Denn die Besucher des Gartens sollen im Winter nicht auf feuchtem Holz sitzen müssen.

Zum Kloster gehören auch ein Gymnasium sowie ein Internat. Während die Jüngeren lieber draußen spielen, kommt der eine oder andere Abiturient zum Lernen hierher. So ist der Prälatengarten für alle eine Bereicherung geworden. Auch im Winter sind seine Öffnungszeiten in der Regel von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr.

Querbeet
"Querbeet" begeistert Menschen für Garten, Pflanzen und Natur, ob im eigenen Garten, in der Kleingartenparzelle, auf dem Balkon oder in freier Landschaft.