Kippa tragen – wie gefährlich ist das?

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Kippa tragen – wie gefährlich ist das?

Die Geschichte der Juden in Deutschland ist seit jeher von Ausgrenzung und Ablehnung geprägt. Schon im Mittelalter mussten Juden Verfolgung, Vertreibung, Hass und Gewalt erleiden. Der Holocaust war der nationalsozialistische Völkermord: Mehr als sechs Millionen jüdische Menschen wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Nur ganz wenige verfolgte Menschen haben überlebt. Ein Völkermord, der die Gesellschaft Europas bis heute verändert hat.

Auch heute noch erleben Juden vielfach Ablehnung, Ausgrenzung, zum Teil offenen Hass und Gewalt. Mitte April wurde ein Israeli, der in Berlin lebt, bei einem Experiment angegriffen – er hatte eine Kippa auf, um zu beweisen, dass Juden in Deutschland keine Übergriffe fürchten müssen. Er filmte den Vorfall und stellte die Szenen ins Internet. Der Übergriff sorgte bundesweit für Empörung und löste eine neue Diskussion um Antisemitismus in Deutschland aus. Hochrangige Politiker bis hin zur Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigten sich betroffen. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnte nach der Attacke Juden davor, sich in Großstädten wie Berlin öffentlich mit einer Kippa zu zeigen. Parallel gab es bundesweit Solidaritätsbekundungen. Unter dem Slogan „Berlin trägt Kippa“ zeigten sich Tausende Demonstranten mit der religiösen Kopfbedeckung.

Wie gefährlich ist es, 2018 offen als Jude in Deutschland zu leben?
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Antisemitismus entschlossen zu bekämpfen und jüdisches Leben in Deutschland zu fördern. Damit verbunden war die Einrichtung eines unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus. Dieser hat 2017 einen 308 Seiten langen Bericht vorgelegt und darin verschiedene Formen und Phänomene des Antisemitismus dargestellt.

Immer wieder wird auch die Frage diskutiert, ob sich unter muslimischen Einwanderern ein neuer Antisemitismus durchsetzt, der primär durch Kritik an Israel geprägt ist, jedoch immer wieder die Grenze zum Antizionismus und auch Antisemitismus überschreitet. Der Unabhängige Expertenkreis hat diese Form des Antisemitismus in seinem Bericht beschrieben, gleichzeitig jedoch davor gewarnt, „mit dem Verweis auf Antisemitismus unter Muslimen, explizit jenen im Rechtsextremismus, aber auch in der gesellschaftlichen und politischen Mitte zu vernachlässigen oder gar implizit zu verharmlosen.“

Timm hat vor dem Dreh mit Ilja mit der Pressesprecherin des Zentralrats der Juden und der Vorsitzenden der Union Progressiver Juden, Irith Michelssohn, gesprochen und sich in engem Austausch auf dieses Projekt vorbereitet.

Weitere Links zum Thema:
Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/gesellschaft-integration/expertenkreis-antisemitismus/expertenbericht-antisemitismus-in-deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Beiträge des WDR zum Thema Antisemitismus:
https://www1.wdr.de/uebersicht-antisemitismus-100.html

Team: Timm Giesbers, Maik Arnold, Frank Schulte, Jakob Gengenbach, Sven Feller, Julia von Cube, Sarah Sanner

Musik:
Bonobo – Ketto
Pantha du Prince – Welt am Draht

WDR360

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Wir spüren auf, was wichtig ist. Für Euch. Wir recherchieren, weil es uns interessiert. Wir stellen Fragen, ohne Angst vor den Antworten. Unvoreingenommen. Nachvollziehbar. Für mehr Diskussion.



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