King Kong und die weisse Frau (Compact Magazin)

COMPACT Chefredakteur Jürgen Elsässer spricht über die Klauen des EURO-Monsters

Quelle: http://www.youtube.com/user/COMPACTTV

King Kong ist die Europäische Zentralbank — und Angela Merkel die Weiße Frau. Das Publikum verfolgt den Filmin stummem Grauen. Als Sigmar Gabriel eingreift, ist alles verloren.

Geht es Ihnen auch so, dass Sie das Thema Euro nicht mehr hören können? Das Gezerre geht jetzt schon ins dritte Jahr. Die Politiker reden mit unverständlichen Abkürzungen wie EFSF oder ESM und verabschieden die entsprechenden Gesetze, ohne sie gelesen zu haben.

Wenn der Bürger aufmuckt, wird Kriegsrhetorik aufgefahren. „Den Euro verteidigen, was immer es kosten mag”, forderte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank EZB, schießt mit der „Dicken Bertha”, als lägen seine Truppen vor Verdun. Durchhalteparolen werden ausgegeben, während die Dollar-Front immer näher rückt. Die letzten Tage im Euro-Bunker.

So hilflos müssen sich die Menschen auch vor 80 Jahren gefühlt haben, nachdem 1929 der Schwarze Freitag an der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise ausgelöst hatte. Das endlose Gezänk der Parteien. Neue Sparvorschläge. Neue Notverordnungen. Regierungen werden gestürzt, Diktatoren kommen. Nicht einmal die Experten wissen noch, wie viel Geld für die Euro-Rettung bisher verpulvert wurde. 100 Milliarden? Zweitausend Milliarden? Eine Trillion? Jedenfalls sind das Zahlen, die die Deutschen zuletzt während der Hyperinflation 1923 gehört haben. Während unser Leben, im Unterschied zu damals, auf gespenstische Weise weiter geht wie zuvor, spüren alle, dass sich hinter den Kulissen eine unheimliche Gefahr zusammenbraut. Das fiktive Kapital, das der Hochfrequenzhandel in Bruchteilen einer Sekunde um die globalen Finanzzentren schießt, kann sich jederzeit zu einem Monster verdichten, das ganze Volkswirtschaften zermalmt. Heute hungern Kinder in Griechenland — und morgen bei uns?

Kein Wunder, dass das Volk, von den Politikern alleingelassen, enttäuscht und betrogen, in die Kinos strömt. Dort finden die Entwurzelten Bilder für den Horror, den die trockene Volkswirtschaft nicht mehr in Worte fassen kann. King Kong kam 1933 in die Lichtspieltheater, auf dem Kulminationspunkt der weltweiten Depression. Das Ungeheuer aus dem Dschungel, das bis nach New York — lies: an die Wallstreet — vordringt und nur mit dem Menschenopfer einer weißen Frau zu besänftigen ist, steht für die ökonomischen Urgewalten, die das Finanzkapital entfesselt hat. Der militärische Showdown ist zwangsläufig: Der Riesenaffe am Empire State Building kann nur mit der Luftwaffe gestoppt werden — und die Weltwirtschaftskrise führt zum Weltkrieg.

Im schwülen Sommer 2012 ist es der neue Batman, der die Ängste bündelt. The Dark Knight Rises — der Dunkle Ritter steigt empor –, das trifft das Lebensgefühl und die Todesängste der Menschen in den Metropolen. Die Bewohner Gotham Citys sitzen auf den vom Bösewicht versteckten Pulverfässern, so wie die Bewohner von Athen, Madrid und Rom auf den Bomben aus fiktivem Kapital, die das internationale Finanzkapital überall platziert hat. Der Dunkle Ritter ergreift die Macht, indem er den berechtigten Hass der wirtschaftlich Ausgestoßenen auf Sündenböcke lenkt und die Armen zum Plündern aufstachelt.

Erinnert der Dunkle Ritter nicht an den Goldman Sachs-Beauftragten Mario Draghi? Sollte man King Kong nicht mit der Europäischen Zentralbank assoziieren, an deren Spitze der Italiener seit knapp einem Jahr steht? Jedenfalls ist dieser Mann die Charaktermaske jener Wallstreet-Kreise, die die Euro-Krise provoziert haben und ad infinitum weitertreiben wollen — bis ganz Europa in Scherben fällt.

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