Kinder im 20. Jahrhundert: Wohlstandsgesellschaft und Krisenjahre (Doku)

https://www.youtube.com/watch?v=J9mDLDGT_Ic

Der Begriff der Überflussgesellschaft wurde einer wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit des US-amerikanischen Ökonomen John Kenneth Galbraith entlehnt („Gesellschaft im Überfluss”, Titel des amerikanischen Originals von 1958: „The Affluent Society”) und taucht, in soziologischen bzw. gesellschaftskritischen Arbeiten, nur vereinzelt auf, was aber nichts über dessen Bedeutung für die Soziologie aussagt, da es eine Reihe Begriffe gibt, die, vom Inhalt her, Dasselbe meinen bzw. doch sehr stark artverwandt sind, wie z. B. Wegwerfgesellschaft, Konsumgesellschaft, oder Wohlstandsgesellschaft, und deren Nennung häufiger in solchen Schriften erfolgt.

Zudem muss bedacht werden, dass eine der Grundannahmen des Prinzips der Überflussgesellschaft davon ausgeht, dass der gesellschaftliche Reichtum sich derartig ausweitet, dass Konsumgüter, Waren und Dienstleistungen schließlich im Überfluss vorhanden sind, was wohl von vielen Verfassern als Grundannahme geteilt wird und kein weiterer, expliziter Verweis auf das Konzept der Überflussgesellschaft von ihnen gemacht wird.

Erste Vorstellungen vom Leben in einer Gesellschaft des Überflusses und Kritik an einem dekadenten Leben, übermäßigem Konsum und übertriebenem Luxus sind keine Phänomene unserer Tage, sondern lassen sich bereits in der Antike finden, wobei man hierbei beachten muss, dass die Welt der Antike eine kleine war, der Genuss von Luxusgütern für lange Zeit nur einem kleinen Teil der Bevölkerung vorbehalten war und die Anzahl der Produkte und deren technische Ausgereiftheit im Vergleich zu heute doch eher bescheiden anmuten.

Das Leben der meisten Menschen dieser Zeit war noch geprägt von Knappheit und Mangel, die Produktion primär auf die Landwirtschaft und Heimarbeit gerichtet und durch sie begründet, sodass von einer Überflussgesellschaft im heutigen Sinne streng genommen eigentlich nicht gesprochen werden kann.

Eine solche begann sich erst im 18. Jahrhundert heraus zu bilden, als der wirtschaftliche und technologische Fortschritt enorme Sprünge machten, industrielle Produktions- und Fertigungstechniken eingeführt wurden und auf eine kapitalistische Wirtschaftsweise umgestellt wurde, was eine enorme Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstandes und Reichtums mit sich brachte und den Philosophen Adam Smith zur Analyse der gesellschaftlichen Voraussetzungen und Folgen des ökonomischen Fortschritts veranlasste.

In seinem 1776 erschienenes Werk „Wohlstand der Nationen” entwirft er ein optimistisches Bild wirtschaftlicher Entwicklung, zeigt anhand seiner Beschreibung der Stecknadelfabrikation auf, wie ein Effizienzgewinn ermöglicht wird und prognostiziert auch bereits eine Steigerung des Warenangebotes und eine damit einhergehende Steigerung des Wohlbefindens. Es hatte großen Einfluss auf kommende Generationen, bis hin zu Marx und Engels, die zwar Gegner der Gesamtkonzeption von Smith waren, jedoch weitgehend seine Vorstellung zur Vermehrung des gesellschaftlichen Reichtums und Wohlstandes teilten.

Dass auch größere Bevölkerungsgruppen am gesellschaftlichen Wohlstand und Reichtum teilhaben, manifestiert sich als Auffassung erst Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, gestärkt durch die einsetzende fordistische Massenproduktion, die die Auffassung verstärkt, dass mit Steigerung des Angebotes an Konsumgütern und Waren auch die Chancen für einen des Zugangs steigen, und tatsächlich wird der Traum vom eigenen Haus, Auto oder der jährlichen Urlaubsreise für mehr und mehr Gesellschaftsmitglieder zur Realität.

Dieses Ansteigen des allgemeinen Lebens- und Versorgungsstandards bildet die Grundlage und zentrale Arbeitskonzeption für die anfangs erwähnte Arbeit von Galbraith, in der er die weitgehende Partizipation der Bevölkerung an Produktionszuwächsen herausarbeitet und sich „endgültig von der pessimistischen Tradition in der Volkswirtschaft löst” (Galbraith, 1959;32).

Nach seiner ständig wiederholten Aussage bleibt die Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder nicht ausgeschlossen vom gesellschaftlichen Wohlstand und Reichtum, sondern findet immer mehr Zugang zu dem riesigen Angebot von Waren, wobei er nicht ausschließlich ein positives Bild der Überflussgesellschaft zeichnen möchte.

Die Aussage seiner Grundthese ist vielmehr die, dass mit dem Übergang in eine Überflussgesellschaft eine neue Sozialordnung entstanden ist mit neuen Eigenschaften, Problemen und Errungenschaften, wobei nach seiner Ansicht Probleme daraus resultieren, „dass die Entwicklung des Bedarfs hinter den Produktionserfordernissen zurückbleibt und damit, periodisch wiederkehrend, ökonomische Wachstumskrisen ausgelöst werden”.

Hinweis: Leider ein etwas versetzter Ton aber nicht besonders tragisch.

Kinder im 20. Jahrhundert: Wohlstandsgesellschaft und Krisenjahre (Doku):
Kinder 20 Jahrhundert Wohlstandsgesellschaft und Krisenjahre Dokumentation

VideoGold.de

VideoGold.de

VideoGold.de ist seit 2007 das erste freie Videoportal Deutschlands, welches frei zugängliche Videos in Form von Berichten, Dokumentationen, Diskussionen, Filmen, Interviews, Livestreams, Musik-Videos, Serien, Trailer, Video-Clips und Vorträge in einer Mediathek vereint.




  • Kommentare zum Video

    Benachrichtigung
    avatar
    5000
    wpDiscuz