Islam und Judenhass



Vor 75 Jahren bildeten die Nationalsozialisten mit den Novemberpogromen 1938 den Auftakt des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte, der systematischen Judenvernichtung in Europa. Während die Nazis von den Alliierten vernichtend geschlagen wurden, hat die Aufklärung Antisemitismus und Judenfeindlichkeit immer noch nicht bezwingen können.

Die große Mehrheit der österreichischen Bevölkerung hegt keinerlei Ressentiments gegenüber Juden und Jüdinnen, antisemitische Vorurteile stellen bei jungen Menschen heutzutage ein geächtetes Randphänomen dar. Doch nach wie vor gibt es neonazistische Bewegungen. Während die mediale Berichterstattung sich vorwiegend auf den Antisemitismus konzentriert, der von diesen Gruppierungen ausgeht, wird häufig übersehen, welch gefährliches judenfeindliches Potenzial der politische Islam in sich birgt.

In arabischen Fernsehsendungen werden Juden als Affen, Schweine und Kindermörder dargestellt. Über Satelliten-TV, das Internet und islamistische Organisationen wird judenfeindliche Propaganda wieder nach Europa transportiert und hierzulande von jungen Muslimen aufgenommen.

Nach einer Studie der Universität Bielefeld unter der Leitung von Wilhelm Heitmeyer stimmt jeder 5. arabische Jugendliche in Deutschland der Aussage zu „in meiner Religion sind es die Juden, die die Welt in Unheil treiben". Mehr als ein drittel der arabisch-stämmigen Jugendlichen glaubt „Juden haben in der Welt zu viel Einfluss".

Islam und Judenhass, das ist unser heutiges Thema. Wir möchten ergründen, auf welche Ursprünge sich die Judenfeindlichkeit im Islam zurückführen lässt, welche politischen Akteure die Judenfeindlichkeit in der Vergangenheit und Gegenwart forcieren, und welche Auswirkungen dies auf Juden in Nahost sowie in Europa hat.

Gäste

Raimund Fastenbauer
Der Judaist und Politikwissenschaftler ist Generalsekretär des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich und Generalsekretär für jüdische Angelegenheiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Dazu ist er seit Jahren gegen alte und neue Formen des Antisemitismus und der Hetze gegen Israel aktiv.

Stephan Grigat
Er ist Politikwissenschaftler und Publizist und als Lehrbeauftragter am Institut für Judaistik, am Institut für Politikwissenschaft und am Institut für Philosophie der Universität Wien tätig. Die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind unter anderem die Geschichte linker Bewegungen, Antisemitismus, der Nahostkonflikt und der Iran.

Michael Ley
Der Soziologe und Politologe ist als freischaffender Wissenschaftler und Universitätsdozent tätig. In seinen zahlreichen Publikationen hat er sich unter anderem mit politischen Religionen, Antisemitismus und der politischen Radikalisierung des Islam beschäftigt.

Amer Albayati
Der Journalist und Islamexperte stammt aus dem Irak und befasst sich schwerpunktmäßig mit Islamfragen und arabischer Politik. Zudem ist er Mitbegründer und Pressesprecher der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ) sowie der beantragten Islamischen-Europäischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IEGÖ)