Immanuel Wallerstein: Die globale Systemkrise und der Kampf um eine postkapitalistische Welt

Mit Immanuel Wallerstein, Professor an der Yale University, USA, weltweit bekannt als Begründer der Weltsystem-Theorie. Von 1994-1998 Präsident der International Sociological Association. Autor zahlreicher Bücher, darunter “Das moderne Weltsystem”.

Die zunehmenden ökonomischen und politischen Verwerfungen weltweit seien Symptome einer globalen systemischen Krise, so Immanuel Wallerstein. Das kapitalistische Weltsystem stoße an seine Grenzern, weil sein Motor, die endlose Akkumulation von Kapital, ins Stottern geraten sei. Diese Situation könne innerhalb des Systems nicht gelöst werden, sondern erst, wenn aus der chaotischen Übergangsphase, in der wir uns befinden, etwas ganz Neues entstanden sei. Der Kampf um eine postkapitalistische Welt habe längst begonnen, sowohl auf Seiten der Eliten, die ihre Macht und ihre Privilegien mit zunehmender Repression zu verteidigen suchten, also auch auf Seiten der sozialen Bewegungen.
Teil des Umbruchs sei auch der Niedergang der Supermacht USA, die trotz ihres gewaltigen Militärapparates zusehends ohnmächtig agiere, wie Afghanistan und Irak gezeigt hätten. Die Strategie, durch Handelsabkommen wie TPP und TTIP Hegemonie zu sichern, würde ebenfalls scheitern. Auch in der Ukraine gelinge es den USA nicht, ihren Willen durchzusetzen. Die einzige Lösung der dortigen Konfrontation sei eine “Finnlandisierung” – also die Neutralität – der Ukraine. Russland wäre zufriedengestellt, wenn die Ukraine nicht Teil von NATO und EU werde.




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