Holzkunst – Neues „Leben“ für den Apfelbaum

Holzkunst - Neues „Leben“ für den Apfelbaum

Bernhard Schmid ist heute zu Gast auf einer Streuobstwiese am Kloster Holzen. Die verantwortliche Gärtnerin hat ihm berichtet, dass dort aus Sicherheitsgründen ein Apfelbaum gefällt werden muss. Und daraus will der Holzkünstler eine Skulptur gestalten.

Auf der Streuobstwiese
Gärtnerin Pia Winkler kümmert sich unter anderem um die Streuobstwiesen des Klosters und versucht, alte Bäume möglichst lange stehen zu lassen. Als Lebensraum für Vögel und Insekten. Doch ein Exemplar droht umzufallen und könnte so zum Sicherheitsrisiko werden. Denn auf dem Gelände sind auch immer mal wieder Familien mit Kindern unterwegs. Daher die Entscheidung: der Baum muss gefällt werden. Nachdem sich Pia Winkler davon überzeugt hat, dass sich keine Vögel oder Eichhörnchen in den Baumhöhlen verstecken, setzt sie die Säge an. Sie muss darauf achten, dass der Baum beim Fallen nicht bricht. Denn Bernhard Schmid hat in einer Astbiegung kleine „Falten“ entdeckt, die er unbedingt herausarbeiten möchte. Am Ende klappt alles und der Baum fällt wie gewünscht. Es sei zwar schade um den Baum, sagt Pia Winkler, aber sie ist auch gespannt, was Bernhard Schmid aus dem Stamm macht.

In der Werkstatt
Für den Holzkünstler geht es dann samt Stamm in seine Werkstatt in Rettenbach bei Günzburg. Dort entfernt der Künstler als erstes die Rinde. Und sieht gleich, dass die vorher vermuteten Falten in der Astbiegung auch im Stamm zu erkennen sind. Eine weitere Stelle erinnert ihn an ein Herz. Das sägt er heraus und daraus entsteht eine ganz eigene Skulptur. Die Arbeit mit den Bäumen ist für Bernhard Schmid eine Art Dialog. Der sei wichtig, nur so könne man die eigentliche Kraft aus den Pflanzen herausholen. Bernhard Schmid arbeitet nicht konstant an nur einem Werkstück, sondern an mehreren, in verschiedenen Stadien. Denn er müsse den Bäumen Ruhe gönnen. Sind die Bäume für den nächsten Schritt bereit, wird die Oberfläche geschliffen, 20 bis 30mal – ausschließlich in Handarbeit. Denn laut Bernhard Schmid verleiht nur die Reibung dem Baum Glanz, Tiefe und Wärme. Anschließend wird der Baum geölt. So lange, bis „eine Oberfläche in der Oberfläche“ entstanden ist, so der Künstler. Die so entstandene Fläche bezeichnet der Künstler als „Handschmeichler“.

Bäume seien niemals tot, sagt Bernhard Schmid, sie änderten nur ihren Zustand. Während des Wachsens haben sie die Einflüsse ihrer Umgebung gespeichert: Licht und Wasser, aber auch Gedanken oder Ereignisse. Und genau die möchte der Künstler nach dem vermeintlichen Ableben der Bäume mit seiner Arbeit zum Vorschein bringen. Es bleibt spannend, was aus dem Baum der Streuobstwiese des Klosters Holzen wird.

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