Goldkauf im Internet | Glänzende Versprechen im Test (NDR Markt)

“Kaufe Altgold zu Höchstpreisen” heißt es überall. Markt hat erstaunliche Preisunterschiede festgestellt. Wer nicht aufpasst, kann über den Tisch gezogen werden. Markt deckt auf. Der Goldpreis klettert auf immer neue Rekordhöhen. In TV-Spots und im Internet locken deshalb Ankäufer von Altgold mit schnellem Geld. Sie versprechen Höchstpreise und schnelle, unkomplizierte Abwicklung.

Doch in aller Regel profitieren vor allem sie selbst von dem Geschäft – nicht der Kunde. “Uns liegen zahlreiche Beschwerden von Verbrauchern vor, die ihr Gold versandt haben und dann lediglich 20 Prozent des Goldwertes geboten bekommen haben”, warnt zum Beispiel Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Markt hat den Test gemacht: Vier Altgold-Stücke haben wir zunächst von einem unabhängigen Experten, dem Obermeister der Hamburger Gold- und Silberschmiede-Innung Thomas Dwenger, schätzen lassen. Dann haben wir von vier Internet-Altgoldhändlern deren Versandunterlagen angefordert und jedem von ihnen ein Schmuckstück zugeschickt.

Nach knapp zwei Wochen lagen alle Angebote vor mit mit erstaunlichem Ergebnis: “Herzlichen Glückwunsch”, schrieb zum Beispiel “Gold-bringt-Geld” – und schickte auch gleich einen Scheck. Statt 370 Euro, wie von unserem Experten taxiert, wollte der Internet-Händler allerdings ganze 99,42 Euro zahlen. Ähnlich groß fiel die Differenz zwischen Schätzpreis und Angebot bei den anderen drei Aufkäufern zu dem jeweiligen Stück Altgold aus.

Noch unglaublicher: Als Markt seine Schmuckstücke zurückforderte, gaben die Internet-Händler noch lange nicht auf, sie begannen zu feilschen. “Gold-bringt-Geld” zum Beispiel teilte uns telefonisch mit, man habe “einen gewissen Ermessensspielraum” und könne uns “ein höheres Angebot machen.” Statt der ursprünglichen 99,42 Euro bot der Call-Center-Mitarbeiter jetzt immerhin 280,00 Euro – fast dreimal so viel.

“Vorsicht also mit dem Versenden des Goldes an irgendeine Stelle, von der man nicht weiß, ob sie seriös ist”, rät Verbraucherschützer Thomas Hagen deshalb. Er könne “nur empfehlen vor Ort nach einer vertrauenswürdigen Adresse, einem Juwelier zum Beispiel, zu suchen.” Wer Altgold bei lokalen Adressen verkaufen möchte, sollte allerdings beachten, dass die gesetzlichen Vorschriften, die für den Ankauf von Edelmetallen gelten, auch tatsächlich eingehalten werden. Dazu gehören:

* für den Verkäufer: Vorlage des Personalausweises des Verkäufers
* für den Ankäufer: das Führen eines Ankaufbuches und die Verwendung einer geeichten Waage

Quelle und Text: [Markt – Montags, 20.15 Uhr © NDR]