Glühlampen-Verbot | ARD Plusminus vom 01.02.2011

“Sie enthalten giftiges Quecksilber, machen fahles Licht und können zu Schlafstörungen führen. Trotzdem setzt die EU-Kommission auf sogenannte Energiesparlampen und hat das schrittweise Verbot der Glühbirnen beschlossen. Aus „Klimaschutzgründen” heißt es. Doch nun mehren sich die Stimmen, wonach die Energiesparlampen ökologisch gar nicht so sinnvoll sind.

Prüfzentrum Technik in Wilhelmshaven. Dort werden Energiesparlampen untersucht — unter anderem für die Zeitschrift Öko-Test. Die Ergebnisse sind vernichtend. Beispiel Energieersparnis: 80 Prozent sollen es sein gegenüber herkömmlichen Glühlampen. Doch die Sparlampen erreichen die versprochene Helligkeit meist nicht. Beispiel Elektrosmog: In Messungen stellen die Experten hier durch Energiesparlampen verursachten Elektrosmog fest, der 20-fach über dem erlaubten Wert von Computermonitoren liegt.

Neben der schlechten Lichtqualität bemängeln Experten außerdem den Gehalt an Quecksilber in den Energiesparlampen. Bislang wurde der von der Industrie gerne kleingeredet, doch das Quecksilber ist besonders dann ein Problem, wenn die Lampen in Wohnräumen zu Bruch gehen. Das verdampfende Quecksilber ist besonders für Kinder und ältere Menschen gefährlich. Wie gefährlich, zeigt eine Studie des Umweltbundesamts, die vor einigen Wochen veröffentlicht wurde. Messungen ergaben in der Atemluft durch zerbrochene Sparlampen eine Quecksilberbelastung, die bis zu 20-fach über dem entsprechenden Richtwert lag — und das selbst noch Stunden nach dem Lampenbruch.

Nun fordert auch der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Aussetzung des Glühlampenverbots. Bislang vergeblich. Doch auch wenn Energiesparlampen nicht zerbrechen, Quecksilber bleibt ein Problem. Denn die meisten Verbraucher entsorgen die Lampen nicht entsprechend, wodurch das Quecksilber in die Umwelt gelangt. Trotz dieser Tatsache fällt die „Quecksilber-Bilanz” der Sparlampen positiv aus, so die Argumentation der EU-Kommission. Da die Lampen Strom sparen, wird auch Quecksilber eingespart, das bei der Stromgewinnung durch Kohle entsteht.

Doch dieses Argument stimmt nur zum Teil. Denn in Europa wird Strom natürlich nicht nur aus Kohle gewonnen. In vielen EU-Ländern spielt die Kohleverstromung überhaupt keine Rolle. Somit wird auch kein Quecksilber eingespart. Doch trotz der offensichtlichen Nachteile und Gefahren: Selbst große Umweltschutzorganisationen, wie Greenpeace, werben für den Umstieg auf die giftigen Sparlampen. Dabei kennt Greenpeace die Nachteile der Energiesparlampen.

Prof. Klaus Stanjek: Der Verhaltensbiologe und Filmemacher erstellte schon 1991 im Auftrag von Greenpeace Deutschland eine Studie zu Energiesparlampen. Sein Ergebnis: Für ihn waren es eher „Verschwendungslampen”. Doch nach der Veröffentlichung seiner Studie kam für ihn die Überraschung. Denn von Greenpeace international kam prompt eine Gegenstudie, mit der man versuchte seine Arbeit zu entkräften.

Fest steht: Den Herstellern winken durch das Glühlampenverbot gute Geschäfte. Osram zum Beispiel tourte mit rund 300 „Lichtberatern” durch Deutschland. Sie sollten den Kunden die vergleichsweise teuren Sparlampen schmackhaft machen. Das Argument: Der Kunde spare auf jeden Fall – trotz der höheren Anschaffungskosten.

Denn die Lampen würden nicht nur weniger Strom verbrauchen, sondern sie hielten bis zu 10mal länger als herkömmliche Glühlampen. Die bringen es nur auf eine Lebensdauer von etwa 1.000 Betriebsstunden. Dabei könnte man Glühbirnen durchaus „haltbarer” machen. Laut dem Lichtexperten Dr. Ahmed Cakir vom Ergonomic Institut in Berlin kann man die Lebensdauer von Glühlampen produktionstechnisch nämlich sehr einfach regulieren.

Und tatsächlich gibt es herkömmliche Glühlampen auf dem Markt, die deutlich länger als 1.000 Betriebsstunden halten. Aus Herstellerkreisen heißt es aber, dass die 1.000 Stunden Betriebsdauer das „Optimum” bezüglich Haltbarkeit und Energieeffizienz darstellen. Nachprüfen können das Verbraucher freilich nicht.

Immerhin: Würden die Energiesparlampen tatsächlich, wie auf den Verpackungen oft angegeben, bis zu 10.000 Betriebsstunden halten, dann würden sich die Lampen unterm Strich tatsächlich lohnen. Doch Tests zeigen: Die lange Lebensdauer, die die Hersteller versprechen, erreichen viele Modelle in Tests nicht annähernd.

Klar ist: Der Widerstand gegen das EU-Verbot wächst. Vielleicht bessert die EU die Regelung noch nach. Und die Bürger dürfen beim Thema Licht wieder mehr selbst entscheiden.

Bericht: Peter Allgaier/Sebastian Thürmer /// Stand: Anfang Februar 2011
Quelle: http://www.YouTube.com/user/MixedPickles999

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