Frontal21: Kampf um den Euro | Angriff der Spekulanten

Die europäischen Regierungen mussten erkennen, dass Spekulanten die Finanzierungsprobleme der europäischen Staaten nutzten, um auf einen fallenden Euro zu wetten. Die Europäische Kommission und die europäischen Regierungen haben in der Nacht zum Montag in Brüssel ein gigantisches Euro-Rettungspaket beschlossen. Es umfasst Hilfen von bis zu 750 Milliarden Euro, um hoch verschuldete Länder Südeuropas wie Griechenland, Spanien, Portugal und Italien zu unterstützen.

Doch wie konnte es soweit kommen, und wer steht hinter diesen Attacken? Bankexperten wie Professor Stephan Paul von der Ruhr-Universität Bochum werfen der Bundesregierung vor, viel zu spät reagiert zu haben. Das Zögern der Kanzlerin habe die Krise verschlimmert. Als das erst am Freitag verabschiedete Hilfspaket für Griechenland die Märkte nicht beruhigte, setzten Spekulanten erneut und massiv auf eine Abwertung des Euro.

Mehrere große amerikanische Hedgefonds hatten sich schon im Februar auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, berichtet das “Wall Street Journal”. Milliardengewinne winkten. Dabei sollte es solche Spekulationen eigentlich gar nicht mehr geben. Die Regierungschefs hatten nach der Lehman-Pleite 2008 versprochen, den Spekulanten das Handwerk zu legen. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte damals, sie wolle sich für mehr Transparenz auf den Finanzmärkten einsetzen. Klare Regeln sollten gelten, damit sich die Krise nicht wiederholen könne.

Doch die Reformen lassen bis heute auf sich warten. Das kritisiert auch der Wirtschaftswissenschaftler Professor Rudolph Hickel. Er spricht von einer Pervertierung der Finanzinstrumente und fordert ein strenges Verbot der sogenannten Kreditausfallversicherungen, der CDS, wenn sie zu Spekulationszwecken missbraucht werden.

Nach den Brüsseler Beschlüssen wird die Europäische Zentralbank nun auch private und staatliche Anleihen aufkaufen, um die angeschlagenen Staaten zu unterstützen. “Ein Geschenk an die Banken”, sagt Finanzexperte Achim Dübel. Denn die könnten sich nun noch leichter billiges Geld beschaffen. Dübel kritisiert, dass mit Beginn der Finanzkrise die Europäische Zentralbank Papiere von zweifelhaftem Wert als Sicherheit akzeptiert.

Für die Banken sei das ein gutes Geschäft, so der Finanzexperte. Sie kämen so an sehr günstige Kredite, die sie auf dem freien Markt nicht erhielten. Sie müssten der EZB gerade mal ein Prozent Zinsen zahlen, verliehen das Geld aber für einen deutlich höheren Zinssatz. Die Differenz trage der Steuerzahler.

Die Brüsseler Rettungsaktion war notwendig, aber sie verändert die europäische Union grundlegend, glauben die meisten Finanzexperten. Professor Stephan Paul stellt heraus, dass nun die wirtschaftlich starken Länder wie Deutschland und Frankreich erstmals direkt für die Schulden und Haushaltsdefizite der schwächeren herangezogen würden. Die Europäische Union sei eine Transfer-Union geworden, so Professor Paul.

Und auch darin sind sich fast alle einig: Der Rettungsschirm kann nur für eine begrenzte Zeit Schutz gewähren. Die EU hat sich Zeit gekauft; die grundlegenden Probleme der Staatsverschuldung sind längst nicht gelöst. ZDF – Frontal21, 11. Mai 2010.

Kampf um den Euro – Angriff der Spekulanten von St. Judzikowski, R. Laska und Ch. Rohde.

Quelle: http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/5/0,1872,8071077,00.html

UPDATE: TV-Hinweis: Finanzkrise 2.0 | “Angriff der Spekulanten” HEUTE am 12.05.2010 um “0:25 Uhr” im ZDF
Link: http://dokumentation.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,1021587_idDispatch:9599677,00.html

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