#Fokus42: Dr. Daniele Ganser über T.A.T. (Teilen – Abwerten – Töten)

Daniele Ganser ist Friedensforscher, Historiker und Autor. In dem #Fokus42 Beitrag erklärt Daniele Ganser wie über Medien eine konsequente Feindbildgenese voran getrieben werden kann, bis es zu Gewalt kommt. Über eine breite Propaganda werden Menschen in Gruppen geteilt, diese dann in ihrer Wertigkeit unterschieden und letzten Endes dann als unwürdiges Leben betrachtet und ermordet.
Daniele Ganser benennt das “T.A.T.” also “teilen, abwerten, töten”.

Arno Gruen schreibt darüber in seinem Buch “Der Fremde in uns”:
“Ob Völkermörder, Folter oder die alltägliche Erniedrigung von Kindern durch ihre Eltern – eines haben all diese Beispiele für Gewalt und Haß gemeinsam: das Gefühl der Abscheu vor dem anderen, dem „Fremden“.
Die Täter stufen sich selbst als „Menschen“ ein, doch das Gegenüber verdient diese Bezeichnung nicht. Der andere wird zum Unmenschen degradiert. Es ist, als würde man sich durch diesen Vorgang selber reinigen. Indem man andere abtut und sie peinigt, befreit man sich vom Verdacht des Beschmutztseins. Das Reinsein oder Beschmutztsein wird so zum Merkmal, das den Menschen vom Nicht – Menschen unterscheidet. Dabei verlagert sich die Wahrnehmung auf eine abstrakte Ebene. Der andere wird nicht mehr in seiner individuellen Menschlichkeit gesehen. Er ist nur noch Bestandteil einer Gruppe. Seine konkreten Gefühle, Einstellungen und Verhaltensweisen verschwinden aus dem Blickfeld, statt dessen wird seine Persönlichkeit auf eine einzige Eigenschaft reduziert: Die Zughörigkeit zur Gruppe. Diese Abstrahierung macht ein empathisches Erleben des anderen unmöglich.

Empathie ist eine grundsätzliche Fähigkeit aller Lebewesen. Sie ist die Schranke zur Unmenschlichkeit und der Kern unseres Menschseins, also auch der Kern dessen, was unser Eigenes ist. Wenn aber dieses Eigene verachtet und als nicht zu uns gehörig abgespalten werden muss, kann sich auch die Empathie nicht frei entwickeln. Unsere Fähigkeiten, mit anderen mitzufühlen, verkümmern. Der Prozess, durch den das Eigene zum Fremden wird, verhindert also, dass Menschen sich menschlich begegnen – mit Anteilnahme, Einfühlungsvermögen und gegenseitigem Verstehen. Und so wird die Abstraktion zur Basis unserer Beziehungen.“

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