Fanatisch, fundamentalistisch, fromm

Menschen in aller Welt haben den Glauben wieder entdeckt. Doch aus fröhlichem Feiern und frommer Inbrunst kann auch ein religiöser Absolutheitsanspruch entstehen. Solche “fundamentalistischen” Strömungen gibt es in allen Weltreligionen.

Wie entstehen solche festen Überzeugungen und wie sieht das Leben von Fundamentalisten in den verschiedenen Religionen wirklich aus? Thomas Berbner, Uri Schneider und Patrick Leclerq untersuchen am Beispiel einzelner Personen und religiöser Gruppen, warum Fundamentalisten bedingungslos für ihre Weltanschauung kämpfen. Die Reportage stellt das Phänomen des Fundamentalismus mit Beispielen aus dem Christentum in den USA, aus dem Judentum in Israel und aus dem Islam im Jemen vor.

Der texanische Prediger John Hagee ist einer der Wortführer christlicher Fundamentalisten in den USA. Mit seinen evangelikalen Anhängern setzt er sich bei politischen Nahost-Krisen regelmäßig für Israel ein – aus einem speziellen Grund: Seiner Auffassung nach ist ein Staat Israel erforderlich, damit es in Armageddon zur letzten Schlacht der Menschheit zwischen Gut und Böse kommt – Voraussetzung für die Rückkehr des Messias.

Thomas Berbner, ARD-Korrespondent in Washington, begleitet außerdem eine Gruppe von so genannten “Kreationisten” auf einer Bootstour durch den Grand Canyon. Sie glauben nicht an Erosionsprozesse, die die Schlucht schufen, sie glauben, Gott habe die Welt erschaffen.

In Palästina beobachtet der israelische Filmemacher Uri Schneider den Kampf der jüdischen Siedlerin Daniella Weiss um das von Gott den Israeliten verheißene Land. Die energische 62Jährige war von Anfang an im “befreiten” palästinensischen Westjordanland dabei, heute ist sie Bürgermeisterin von Kedumim, einer der wichtigsten Siedlungen im Westjordanland.

Zum jüdischen Laubhüttenfest gründete sie eine illegale neue Siedlung, ignorierte Verbote und Drohungen. “Wir sind sicher nicht wie die islamischen Fundamentalisten, die mit Terrorismus und Massenmord einen Gottesstaat errichten wollen”, erklärt sie. Doch sie ist überzeugt, dass Gott den Juden “dieses heilige Land versprochen hat”. Als eine “Kriegerin der Armee Gottes” versteht sie sich insofern auch als “Fundamentalistin” im ureigensten Sinne.

Einer anderen, streng islamischen Ordnung folgt der Fundamentalismus im Jemen. Mittelalter und Globalisierung prallen dort aufeinander und wecken Ängste vor der Unterwerfung unter den Westen. Patrick Leclerq, ARD-Korrespondent in Kairo, hat zwei Fundamentalisten besucht: Scheich Ali Abbud lebt in der Provinz Marib in der Gemeinschaft eines 1000jährigen Stammes. Bei Verstößen seiner etwa 10.000 Untertanen gegen die islamische Lebensform sind die Kalschnikovs schnell zur Hand.

Ob Stammesheirat oder Weltpolitik: “Wir wollen keine Vermischung, weil sie unsere Religion beschädigt”, sagt Ali Abbud. Auch Gewürzhändler Mohammed Fadel aus der Hauptstadt Sana’a lebt mit seiner großen Familie in einer geschlossenen islamischen Welt. Sein Tagesrhythmus wird weniger von den Ladenöffnungszeiten bestimmt, als von seinen fünf täglichen Gebeten.

Fanatisch, fundamentalistisch, fromm | Dokumentation, Deutschland 2007

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