Fahrschule trotz Führerschein: Angst beim Autofahren

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Fahrschule trotz Führerschein: Angst beim Autofahren | reporter

Ein Führerschein gehört irgendwie dazu, oder? Wohl die meisten Jugendlichen zwischen 17 und 18 besuchen eine Fahrschule und nehmen Fahrstunden, um ihren Führerschein zu bekommen. Wieso? Weil Autofahren – trotz Umweltproblematik und immer weiter ausgebautem ÖPNV – immer noch eins bedeutet: Selbstständigkeit.

Die Deutschen gelten ohnehin als Autofahrer-Nation. Nicht nur, weil das Auto hier 1886 erfunden wurde und hierzulande die Automobilindustrie den größten Wirtschaftszweig darstellt. Immerhin arbeiten über 800.000 Beschäftigte direkt oder indirekt in der Autoproduktion. Menschen ohne Führerschein sind in Deutschland Exoten. Das belegt die Statistik vom Kraftfahrtbundesamt. Demnach gibt es in Deutschland 56,5 Millionen Fahrzeuge, das macht 687 pro 1000 Einwohner – die Zahlen steigen stetig.

Aber nicht jeder, der einen Führerschein besitzt, fährt auch regelmäßig Auto. Der ADAC schätzt, dass etwa 1 Million Menschen in Deutschland Angst vorm Auto fahren haben, die Dunkelziffer ist hoch. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Gerade Stadtbewohner nutzen nur unregelmäßig das Auto und verlernen oft ihre Fahrkünste wieder. Einmal gewonnenes Selbstvertrauen geht schnell wieder verloren. Dadurch entsteht Stress und Auto fahren wird eher vermieden. Aber auch Unfälle oder andere traumatische Erfahrungen hindern viele daran, sich ins Auto zu setzen. Diese Form der Angst bezieht sich meist auf bestimmten Orte und Situationen, wie Tunnel, Brücken oder Fahrten durch die Innenstadt. Im Laufe der Zeit wird diese Art der Furcht oft schlimmer, irgendwann trauen sich die Betroffenen gar nicht mehr hinters Steuer.

Um die Angst zu überwinden, besuchen zunehmend mehr Menschen Auffrischungs- oder Wiedereingliederungskurse, wie den von Ursula Georg aus Köln. Aber auch in vielen anderen Großstädten gibt es mittlerweile ein speziell auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnittenes Kursangebot. Teils haben sich sogar ganze Fahrschulen rein auf die „Angsthasen“ spezialisiert.
Besonders junge Mütter, die das Auto plötzlich brauchen um den Alltag zwischen Kita, Schule und Sport zu meistern aber eigentlich noch nie gern Auto gefahren sind oder Menschen, die eine berufliche Veränderung zum Pendeln zwingt, gehören zu den Kunden der Fahrschulen. „Etwa 85 Prozent der Wiedereinsteiger sind Frauen“, sagt Ursula Georg. „Männliche Angsthasen gibt es aber auch“, sagt Georg. Sie bräuchten oft nur länger, um sich ihr Problem einzugestehen.
Dabei gibt es viele Tricks und Möglichkeiten die eigene Angst zu überwinden. Angefangen damit, sich die Verkehrsregeln und Schilder wieder einzuprägen, um die Ablenkung beim Fahren zu minimieren. Aber auch, indem kurze, bekannte Strecken immer wieder geübt werden, findet ein Stressabbau statt. Letztendlich können auch technische Helfer im Auto die Angst mindern – beispielsweise wenn beim Einparken Abstandsmelder die eigenen Lenkbewegungen korrigieren können. Um aber wirklich sicher zu fahren – darin sind sich die Fahrlehrer einig – hilft nur eines: fahren, fahren, fahren.

Hinweise zum Umgang mit der Angst hinterm Steuer vom ADAC:
https://www.adac.de/verkehr/verkehrsmedizin/angst-beim-autofahren/

Team: Timm Giesbers, Antje Kießler, Maik Arnold, Sven Feller, Sarah Sanner, Julia von Cube

Musik:
Lil Jon & The East Side Boyz – Get Low
Mind of a genius – Analogic
BluntedBeatz – Happy
Raphael Saadiq – I’m a good man
ThatKidGoran – Happy Ghetto

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