Dürfen wir Tiere essen? | Richard D. Precht / Robert Spaemann (09.12.2012)

Richard David Precht stellt in der vierten Ausgabe seiner Philosophiesendung die Frage: „Dürfen wir Tiere essen?“ Sein Gast, der große katholische Philosoph Robert Spaemann, hat sich intensiv mit Fragen der Tierethik beschäftigt. Er hält den Verzehr von Fleisch für gerechtfertigt – entsprechend der christlichen Auffassung, dass Gott auch die Tiere geschaffen habe, damit der Mensch sie sich zu Nutze mache.

Unser Verhältnis zu Tieren ist komplex und widersprüchlich. Es reicht vom Kind-Ersatz bis zum industriell verarbeiteten Nahrungsmittel, vom Partner der menschlichen Gemeinschaft mit einem moralisch begründeten Lebensrecht bis zum käuflichen Objekt, das rechtlich gesehen lange Zeit als Sache betrachtet wurde.

Unsere Haustiere werden verzärtelt, wilde Tiere ehrfürchtig bestaunt und eine Mehrheit in unserem Land würde laut einer Umfrage eher ein Theater oder ein Museum schließen als den Zoo. Andererseits akzeptiert unsere Gesellschaft zweifelhafte Methoden der Massentierhaltung, Tierversuche und Jagdveranstaltungen. Die verwahrlosten Hunde Mallorcas rühren viele Menschen, aber die Frage, wie das Schnitzel auf unseren Teller kommt, wird gerne verdrängt.

Robert Spaemann vertritt ähnlich wie sein Philosophenkollege Immanuel Kant die Auffassung, dass es sich für Menschen verbietet, Tieren Leid zuzufügen, ein schlechter Umgang mit Tieren würde dem Seelenheil des Menschen schaden. Die Denker von Aristoteles über Kant und Schopenhauer bis hin zu zeitgenössischen Tierethikern streiten seit jeher darüber, wie der Wert und die Rolle des Tieres zu bestimmen sei.

Dabei sind die strittigen Punkte immer dieselben: Welches Kriterium muss dem Tier zugesprochen werden, damit es ein eigenes Recht auf Leben verdient? Reicht es, dass wir ihm Schmerzempfinden attestieren können oder muss sich das Tier tatsächlich an der menschlichen Moralfähigkeit messen lassen? Ist es legitim, dem Tier Lebensrechte abzusprechen, weil es nicht wie der Mensch vernunftbegabt ist? Ist es zulässig, zwischen niederen und höher entwickelten Arten zu unterscheiden?

Angesichts der in unserer Gesellschaft oft höchst leidenschaftlich und radikal geführten Debatte zwischen veganen Tierschützern, Jägern, Haustierhaltern und Fleischfabrikanten will Richard David Precht gemeinsam mit seinem Gast versuchen, die Frage nach dem moralischen Wert der Tiere auf Basis der bekannten Argumente neu zu betrachten und zu diskutieren.

Quelle und Text: http://www.zdf.de/Precht/D%C3%BCrfen-wir-Tiere-essen-25564310.html

Dürfen wir Tiere essen? | Richard D. Precht / Robert Spaemann (09.12.2012):
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    2 Kommentare zu "Dürfen wir Tiere essen? | Richard D. Precht / Robert Spaemann (09.12.2012)"

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    Sven
    Zuschauer
    Sven
    24. Dezember 2012 09:19

    Das stimmt, solche Beispiele gibt es sehr viel!
    Unser Problem das einzuordnen, scheitert immer wieder daran
    das wir die Beweggründe nicht erfragen können und daher das Verhalten mit unserem Gefühl
    interpretieren
    Aber wie Manfred Spitzer (Hirnforscher) sagt: Gefühle sind die Zusammenfassung gemachter Erfahrungen und erlernter Regeln
    Das Gefühl täuscht hier vielleicht nicht.

    Rudimentaer
    Zuschauer
    Rudimentaer
    23. Dezember 2012 18:22

    Es ist falsch, dass der Mensch das einzige Lebewesen sei das Verantwortung gegenüber anderen Lebewesen zeigt oder zeigen kann. Es geschehen haufenweise Fälle in denen Hunde Katzen adoptiert haben. Einer der wohl besten Beispiele hierfür ist die Adoption einer Antilope durch einen Löwen. Einfach mal bei Youtube suchen: Löwe adoptiert Antilope.

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