Drei Stunden Güstrow | Helmut Schmidts DDR Staatsbesuch 1981

In „Drei Stunden Güstrow“ (NDR) liefert Michael Krull, wie Ettlich 1995 ausgezeichnet, ein Enthüllungsstück und zeigt, wie 1981 bei einem Staatsbesuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt der gewaltige Apparat des Ministeriums für Staatssicherheit in Gang gesetzt wurde, um den Medien ein genehmes DDR-Bild vorzugaukeln.

Am 11. Dezember 1981 wird ein Mann dem Volkspolizeikreisamt Neubrandenburg “zugeführt”. Er hat ein Transparent gebastelt, 100 mal 60 Zentimeter, mit der Aufschrift “Raus mit allen Atomraketen aus ganz Europa”. Das Wort “allen” ist rot unterstrichen. “An der weiteren Klärung des Sachverhaltes wird gearbeitet”, heißt es in einem Lagebericht der Staatssicherheit. Die “Klärung” erfolgt unter Einsatz gängiger “Methoden”, Schlafentzug ist eine davon. Nach drei Tagen weiß der “Zugeführte” nicht mehr, ist es Tag oder Nacht, wie lange bin ich schon hier?

Für den “Zugriff” war es allerdings auch höchste Zeit gewesen. Denn just an jenem 11. Dezember begann der Besuch des Bundeskanzlers Helmut Schmidt in der DDR, da mussten pazifistische “Störer” rechtzeitig ausgeschaltet werden. An diesem Tag und am nächsten waren Gespräche mit dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker im Gästehaus der DDR-Regierung vorgesehen, dem Schloss Hubertusstock am Werbellinsee bei Berlin, am 13. dann noch ein gemeinsamer Besuch in dem mecklenburgischen Städtchen Güstrow.

Diese Visite vor allem war es, die den monströsen Sicherheitsapparat der DDR, mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) an der Spitze, heiß laufen und zu “Maßnahmen” greifen ließ, wie sie in der Stasi-Geschichte ihresgleichen suchen.

Quellen und weitere weitere Informationen:
http://www.zeit.de/2006/49/A-Guestrow
http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=745

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    Alexander Riedel
    Zuschauer

    Ich war Zeuge bei dieser Farce. Damals war ich Oberleutnant und Zugführer der 5.VP-Bereitschaft Leipzig und 26 Jahre alt.
    Ich stand mit meiner Truppe am Straßenrand und konnte es nicht glauben, dass -zig Busse voller Stasi-Komparsen den Weihnachtsmarkt spielten. Dieses Ereignis habe ich dann im ZDF verfolgen können, was natürlich von K.E.v.Schnitzler dementiert wurde.
    Gelacht oder besser: an den Kopf gegriffen habe ich mir dann, als an einer ganz bestimmten Stelle Honeckers Konvoi stoppte und zwei Menschen in nagelneuen Schlosseranzügen, mit Bügelfalte, dem Honecker die Hand schüttelten. Das gab mir echt zu denken…

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